• vom 09.04.2006, 17:20 Uhr

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Update: 09.04.2006, 19:52 Uhr

Imame-Konferenz in Wien:

Muslimisches Bekenntnis zur Demokratie




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Von WZ Online / APA

  • Ein klares Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten leitet die Schlusserklärung der dreitägigen Konferenz Europäischer Imame und Seelsorger in Wien ein. Die 130 teilnehmenden islamischen Geistlichen und Islam-Experten aus mehr als 40 Ländern haben sich dabei eindeutig auf die bei der Imame-Konferenz 2003 in Graz entstandene "Grazer Erklärung" bezogen und damit eine Fortsetzung des damals eingeschlagenen Weges signalisiert.

Außenministerin Ursula Plassnik, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich Anas Schakfeh.

Außenministerin Ursula Plassnik, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich Anas Schakfeh.© APA / Herbert Pfarrhofer Außenministerin Ursula Plassnik, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich Anas Schakfeh.© APA / Herbert Pfarrhofer

Die Konferenzteilnehmer haben jedoch festgestellt, dass es "noch großer Anstrengungen auf allen Seiten bedürfen wird, um die Akzeptanz der Muslime in der Mehrheitsgesellschaft zu erreichen", hieß es in der Schlusserklärung. Die Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Wien, Carla Amina Baghajati, erklärte in diesem Zusammenhang, dass die Beherrschung der Landessprache eine wichtige Voraussetzung für eine echte Integration sei. Dies sei auch in allen von der Konferenz am Samstag veranstalteten Workshops zu den Themen Integration, Bildung, Politik, Wirtschaft, Frauen, Jugend und Ökologie zum Ausdruck gekommen.


Anreize für eine verstärkte Integration könnten unter anderem Erleichterungen bei Einbürgerung und Familienzusammenführung, eine Nostrifizierung ausländischer Bildungsabschlüsse oder auch eine Teilnahme an demokratischen Entscheidungsfindungsprozessen wie z.B. das kommunale Wahlrecht darstellen, so Baghajati.

Meinungsfreiheit "unverzichtbares Gut"

In dem Abschlussdokument ist weiters festgehalten, dass "Presse- und Meinungsfreiheit ein unverzichtbares und allgemeines Gut" darstellen. Meinungsfreiheit solle "in Verantwortung ausgeübt werden und in Beachtung gegenseitigen Respekts". Das Thema Meinungsfreiheit im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um die Veröffentlichung der Karikaturen des Propheten Mohammed war bei der Eröffnung der Konferenz am Freitagabend in Wien eines der vorherrschenden Themen gewesen.

Da hatte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel betont, dass die "eruptive Gewalt" der Reaktion auf die in europäischen Medien veröffentlichten Mohammed-Karikaturen ihn "erschüttert" hätten. "Die Reaktionen auf die Karikaturen, die den Propheten Mohammed darstellen, waren nur das jüngste Zeugnis einer Kette von Missverständnissen - innerhalb wie außerhalb Europas", schloss sich EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner an. Die Religionsfreiheit sei genauso "nicht verhandelbar" wie die Meinungsfreiheit. "Europas Muslime können auch als Brücke zu anderen islamischen Gemeinschaften außerhalb unserer Grenzen fungieren", sagte die EU-Kommissarin im Wiener Rathaus.

Nationalratspräsident Andreas Khol (ÖVP) betonte, dass die Moslems in Österreich im Karikaturen-Streit "nicht zur Selbsthilfe gegriffen" hätten. In Österreich gebe es keinen "Kampf der Kulturen". Zugleich sah Khol Herausforderungen bei den Integrationsbemühungen. So seien die Deutschkenntnisse der moslemischen Religionslehrer in Österreich heute oft nicht ausreichend.

Keine Abschottung

Ein weiterer Punkt der Erklärung bezieht sich auf den Begriff der "Parallelgesellschaft". Bei der "berechtigten Pflege von Kultur und Religion" ginge es nicht um eine bewusste Abschottung von der Mehrheitsgesellschaft, sondern um "Community-Bildung". So solle die Institutionalisierung eigener Einrichtungen anerkannt werden, erläuterte Baghajati.

Zum Thema "Bildung" wurde in der Schlusserklärung verankert, dass Bildung im Islam geradezu eine Lebenseinstellung sei. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund seien aber vom Problem einer "sozialen Durchlässigkeit des Bildungssystems in vielen europäischen Staaten" besonders betroffen. Hier sei neben der aktiven Einbindung von Moscheen und religiösen Einrichtungen auch eine gezielte Förderung durch die Mehrheitsgesellschaft gefragt. Auch Erwachsenenbildung dürfe sich nicht nur auf den Sprachunterricht beschränken, sondern müsse vielmehr Programme zur "sinnvollen Freizeitgestaltung" fördern.

Die Partnerschaft der Religionsgemeinschaften in Österreich könnte ein "Exportartikel" werden, meinte der EU-Ratsvorsitzende, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) bei dieser Gelegenheit.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2006-04-09 17:20:30
Letzte Änderung am 2006-04-09 19:52:00

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