• vom 11.11.2005, 14:31 Uhr

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Update: 09.04.2006, 22:13 Uhr

Illustriertes Zwanzigerrufen (Zwanzigerrufen mit Talon)

Die schönste Variante des Tarockspiels




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  • Dabei handelt es sich um die anspruchvollste und schönste Variante des Tarockspiels. Mitte des 19. Jahrhunderts in Ungarn entstanden, ist sie in Zeiten der Habsburgermonarchie auch in Wien viel gespielt worden. Sie ist in einigen alten Wiener Tarockbüchern zu finden, wobei sich die Autoren stets voll des Lobes zeigten. So liest man beispielsweise in Sigmund Ulmanns Illustriertem Wiener Tarockbuch über dieses Spiel: "Seine sinnreiche Zusammenstellung ermöglicht es den Spielenden, Voraussicht, Schlagfertigkeit und feine Berechnung zur Geltung zu bringen, und verschafft ihnen Kurzweil und Amusement in einem Maße, wie dies bei keinem anderen Tarockspiel in gleicher Weise der Fall ist."

Die wichtigsten Wesenselemente des Spiels, wie es heute vor allem in Ungarn gepflegt wird, waren um die Jahrhundertwende die gleichen wie heute. Allerdings haben ungarische Tarockspieler inzwischen das Regelwerk weiter verfeinert, wodurch das Spiel noch interessanter geworden ist. So haben sie die cue bids des Bridge ins Regelwerk aufgenommen. Vereinfacht lässt sich sagen: Im Bridge wird durch ein ausgeklügeltes Lizitationssystem auf Farbstiche lizitiert, in dieser Variante des Zwanzigerrufens auf die Tarockstiche - und zwar einerseits auf die ersten 5, 6 oder 7 Stiche, wobei der letzte Stich dieser Folge jeweils mit einer bestimmten Karte gemacht werden muss, andererseits auf den letzten oder vorletzten Stich, wobei dieser entweder mit dem Pagat oder mit einem gerufenen König gemacht werden muss (der Pagat oder der König muss selbst den Stich machen, wenn der Partner sticht, ist die Ansage verloren).


Der englische Universitätsprofessor Sir Michael Dummett, der zurecht immer wieder als Tarockpapst ti¬tuliert wird, leitet in seinem Buch The Game of Tarot das Kapitel über dieses Spiel mit folgenden Worten ein: "Die Regeln sind mit großem Geschick entwickelt worden, wodurch es zu einem der schönsten Tarockspiele geworden ist. Es ist völlig angemessen, dass wir unseren Rundblick auf Tarock, in all seiner großen Vielfalt, mit dieser superben Variante beenden." Auch John McLeod, Betreiber der Kartenspiele-Website http://www.pagat.com/, betrachtet Zwanzigerrufen mit Talon als das interessanteste Kartenspiel und reiht es über dem Königrufen.

Die hier beschriebene Variante ist aus dem österreichischen Zwanzigerrufen entwickelt worden, sie weicht in einigen Punkten von der heute in Ungarn praktizierten Spielweise ab. So ist beispielsweise die Zählweise und die Spielrichtung den österreichischen Gepflogenheiten des Zwanzigerrufens angepasst worden, in Ungarn wird hingegen anderes gezählt und gegen den Uhrzeigersinn gespielt. Das Spiel wird dort in einer einfachen Variante als "Paskiewitsch" bezeichnet, mit den zusätzlichen Ansagen Zentrum, Kleiner Vogel und Großer Vogel als "Illustriertes Tarock". Wir nennen es "Illustriertes Zwanzigerrufen".



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2005-11-11 14:31:22
Letzte Änderung am 2006-04-09 22:13:00

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