• vom 15.09.2005, 12:24 Uhr

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Update: 15.09.2005, 12:27 Uhr

Abweichende Regeln

Steirisches Königrufen




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  • In der Vergangenheit haben sich in der Steiermark regionale Varianten der Tarockspiele herausgebildet. Moriz Bermann beschreibt in seinem 1894 er­schie­nenen Buch Der praktische Tarockspieler eine Variante des Tarock-Tappens, die er Steirischen Tapper nennt. (Bermann, 1894, S. 85 ff.) Auch Sigmund Ul­mann erwähnt dieses Spiel in seinem Illustrierten Wiener Ta­rock­buch; er führt es unter der Bezeichnung Steirisches Tarock. (Ulmann, 2. Auflage 1900, S. 47 ff.)

Es unterscheidet sich von den allgemein ge­bräuch­lichen Spielvarianten durch abweichende Regeln im Bereich des Lizitierens und der Abrech­nung. Michael Dummett weist darauf hin, dass die steirischen Varianten dem Spiel Tarocco Triestino recht nahe kommen, wie es in dem 1888 in Triest erschie­nenen Buch Del Tarrocco Triestino beschrieben wird. Offensichtlich hat man damals in Triest, das bis 1918 zu Österreich gehörte, nicht die italienischen Tarockspiele mit 78 Karten gespielt, sondern sich an der öster­reichi­schen Tradition orientiert. Auch beim modernen Königrufen scheinen die Steirer ihre eigenen Wege zu gehen. Die steirische Variante dieses Spiels hat vor allem ein besonderes Merkmal: Der Spielaufnehmer benötigt nicht 1 Punkt mehr als die Gegenpartei, um zu gewinnen, sondern nur ¼3 Punkte mehr. Diese Regel gilt beispielsweise bei dem in der Steiermark veranstalteten Ersten österreichischen Tarockseminar (EROTAS) von Ludwig Kapfer und Günther Kogler. Auch der passionierte Tarockspieler Norbert Kotzurek, Laßnitzhöhe, der seine privaten Regeln kopiert und an Bibliotheken versandt hat, so dass sie dort eingesehen werden können, vertritt diese Mei­nung. Wir befragten stichproben­artig auch andere Tarockierer in Graz und sahen uns in der Meinung bestätigt, dass es sich hier um ­eine regionale Besonderheit handelt, die kein Einzelfall ist. Um das steirische Prinzip in allen drei Zählvarianten anwendbar zu machen, müssen die Regeln für den Umgang mit restlichen Karten am Schluss der Zählung adaptiert werden.


Das Zählen in Dreierlagen mit 2 Leerkarten

Ein Spielaufnehmer benötigt zum Sieg mindestens 35 Punkte und 1 Leerkarte. Diesfalls hat der Gegner 34 Punkte und 2 Leerkarten. Hat ein Spielaufnehmer nur 35 Punkte ohne eine zusätzliche Leerkarte, hat er verloren, denn dies ist ein Gleichstand.Das im Kapitel "Grundsätzliches zu allen Tarockspielen" angeführte Zählsystem für restliche Leer- und Zählkarten kann nicht angewandt werden, weil es bereits ein Rundungssystem enthält.

Das Zählen in Dreierlagen mit 2 Punkte-Abzug

Ein Spielaufnehmer benötigt zum Sieg mindestens 35 Punkte und 1 Blatt. Dies­falls hat der Gegner 34 Punkte und 2 Blatt. Hat ein Spielaufnehmer nur 35 Punkte ohne zusätzlich 1 Blatt, hat er verloren, denn dies ist ein Gleichstand.

Das Zählen in Bruchzahlen

Ein Spielaufnehmer benötigt zum Sieg mindestens 35 1/3 Punkte. Diesfalls hat der Gegner 34 2/3 Punkte. Hat ein Spielaufnehmer nur 35 Punkte, hat er ver­loren, denn dies ist ein Gleichstand.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2005-09-15 12:24:55
Letzte Änderung am 2005-09-15 12:27:00


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