• vom 15.09.2005, 12:07 Uhr

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Update: 15.09.2005, 12:22 Uhr

Allgemeine und besondere Regeln

Reform-Tarock




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  • In den letzten Kriegsmonaten harrten im Luftschutzbunker des Wiener Rathauses zahlreiche Wienerinnen und Wiener aus, und da darunter auch einige Tarockierer waren, vertrieb man sich die Zeit mit Königrufen. In den endlos langen Stunden wurde nicht nur gespielt, sondern auch eifrig am Regelwerk gebastelt. Das Ergebnis war eine umfangreiche Speisekarte, die immerhin bereits den Piccolo kannte, aber auch Pagatrufer, Uhurufer, Kakadurufer, sogar mit und ohne Talon.

Daneben gab es kuriose Spiele wie Eisenbahner, Pensionist oder Apotheker, außerdem Renonce-Re­geln, die an Rigidität kaum zu überbieten sind. Die Regeln, die heute vor allem historischen Wert haben, wurden 1945 aufgeschrieben, im Dezember 1982 neu zusammengestellt und im Dezember 1998 mit Word formatiert. Wir haben lediglich offensichtliche Schreibfehler ausgebessert und den Text der neuen Rechtschreibung angepasst. Die Schreibung "Skatkindeln" statt "Skatindel" haben wir belassen, weil sie sicherlich absichtlich erfolgt ist und damit ein humoristischer Effekt bezweckt war. Gemeint sind alle Leerkarten, also nicht nur die Nummerkarten unter den Farben.


Allgemeine Regeln des Reform-Tarockspiels

Art. I:

Diese Regeln gelten für das Tarockspiel zu viert.

Art. II:

§ 1: Gegeben wird gegen den Uhrzeigersinn. Nach dem Mischen hat der Geber seinem Vis-a-vis den Kartenstoß zum Abheben hinzule­gen. Dieser hebt bis zu drei Mal ab, worauf der Geber die ersten 6 Karten - 2 x 3! - als Talon in die Mitte legt, dann - zu je 6 - die Karten von rechts beginnend auflegt. Klopft das Vis-a-vis allerdings auf den Kartenstoß, dann hat der Geber 2 x 3 Karten als Talon zu legen und die übrigen Karten zu 12 aufzuteilen, wobei er, bei der Vorhand beginnend, die Spieler reihum zu fragen hat, als wievielte sie ihre Karten bekommen wol­len, womit der Geber nehmen muss, was übrig bleibt.

§ 2: Das Kartenspiel besteht aus insgesamt 54 Blatt, die sich wie folgt aufteilen: 4 x 8 Blatt und 21 + 1 Blatt Tarock.

Die Reihung im einzelnen:

- rote Farben (Herz und Karo): 4, 3, 2, Ass, Bub, Caval, Dame, König.

- schwarze Farben (Pik, Treff): 7, 8, 9, 10, Bub, Caval, Dame, König.

- Tarock gehen von I bis XXI, das höchste Tarock ist der sogenannte Sküs, der eine XXII repräsentiert.

§ 3: Die Werte der Karten in der Zählung:

Troulstücke (I = Pagat, XXI = Mond und der Sküs): 5 Punkte

+++ König: 5 Punkte

+++ Dame: 4 Punkte

+++ Caval: 3 Punkte

+++ Bube: 2 Punkte

+++ Skatkindel (sonstige Farben und sonstigeTarock): 1 Punkt

Gezählt werden jeweils 3 Karten, wobei ein Wert von 2 Punkten abgezogen wird. Die Summe aus den so gezählten Werten gibt den Gesamtpunktestand, übrig gebliebene Skatkindel werden als "Blatt" zu dem Punktestand hinzugefügt (z.B.: 32/2 Blatt).

Das gesamte Spiel besteht nach obiger Zählung aus 70 Punkten.

: Die Mandschurische Zählung:

+++ König, Troulstück: 13 Spielpunkte

+++ Dame: 10 Spielpunkte

+++ Caval: 7 Spielpunkte

+++ Bube: 4 Spielpunkte

+++ Latons: 1 Spielpunkt

+++ Summe: 210 / 210 : 3 = 70 gewöhnliche Zählung!

+++ Minimum für Spieler: 107 / 107 : 3 = 35/2 Blatt gewöhnliche Zählung

+++ Minimum für Gegner: 104 / 104 : 3 = 34/2 Blatt gewöhnliche Zählung

Besondere Regeln des Reform-Tarockspiels

A) Allgemeine Vorschriften:

Art. I:

Unkenntnis dieses Codex können nur Adepten bis zum dritten Tarockabend mit Erfolg einwenden; die Zahlung haben sie je­doch, soweit sie nicht von den Mitspielern hievon befreit wer­den, zu leisten. Remonstrieren gegen den Codex gilt als Selbstausschluss von der Tarockpartie.

Art. II:

§ 1:Jeder Spieler ist der Herr seiner Karten. Daher dürfen ihm von niemanden Vorschriften gemacht werden, was er mit diesen hätte spielen sollen oder spielen müsste; desgleichen ist während des Spieles eine Belehrung eines anderen Spielers darüber, wie er zu spielen hätte, nicht zulässig (ausgenommen die Instruktion von Neulingen). Die Folgen von Leichtsinn, Neid, Geiz, Hochmut, Schlamperei und Unmäßigkeit hat jeder Spieler selbst zu tragen.

§ 2: Das Pampfen (nicht ordentlich Mischen) und Packeln (Zusammenlegen), worunter auch das Zusammenlegen der eigenen Stiche für das Ausgeben anlässlich des nächsten Spiels zählt, ist ebenso gestattet wie das Mauern oder Staudenhocken.

§ 3: Wer unter dem Tisch tarockiert oder unter dem Tisch zahlt, unterliegt aus Reinlichkeitsgründen folgender Strafsanktion: Pro Karte, die unter dem Tisch liegt, hat der Schuldtragende an jeden Mit­spie­ler 1 zu bezahlen. Unter dem Tisch aufbewahrte Geldbeträge (Spielmarken) unterliegen der Aufteilung (durch vier).

§ 4: Verteilen (Vergeben), soferne es vor Beendigung des Auftei­lens gestanden wird, kostet je 2; wird es erst nach diesem Zeitpunkt gestanden oder von anderen gerügt: je 3; wird es abgestritten und der Geber überführt: 5; etwaige Mitschuldige (z.B. durch ungerechtfertigtes Ansichnehmen von Karten) haften in solidum.

Als verteilt gilt auch nach links statt nach rechts geben oder unrichtig geben bei Klopfen. Strafe: Noch einmal geben, sich selbst die Karten offen geben. Das Abheben ist nur bis zu 3 x gestattet, das Nachmischen über­haupt nicht. Das Anmaßen des Teilens ist eine Ordnungswid­rig­keit. Zurückmischen (offen) bei versuchtem Teilen durch einen Unzuständigen ist erlaubt.

§ 5: Ein Spiel und die daraus entstehenden Forderungen gelte­n als verjährt, sobald das Geben des nächsten Spieles beendet ist. Auf Verlangen zu viel Gezahltes kann jedoch jederzeit zurück­gefordert werden. Bis zur Endabrechnung ist Regress gegen den Schuldtragenden möglich. Der Verteiler hat jedem Mitspie­ler und allfälligen Passer zu bezahlen. Ansonsten gewinnt und ver­liert der Passer mit dem Gegner. Einem geständigen Vertei­ler ist gleichzuhalten, wenn das Verteilen während des Spieles überhaupt nicht bemerkt oder beanstandet wurde. Die Tatsache des erfolgten Verteilens ist im Streitfalle durch Aufzählen der Stichkarten festzustellen. Das strafweise Sich-selbst-Tei­len entfällt beim Spiel zu fünft.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2005-09-15 12:07:17
Letzte Änderung am 2005-09-15 12:22:00



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