• vom 19.09.2005, 16:03 Uhr

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Modernes Königrufen




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Das moderne Königrufen ist 50 bis 100 Jahre alt. Wir staunten nicht wenig, als wir die ältesten Belege eines Farbenspiels, eines Piccolo oder eines Uhurufers suchten. In keinem Tarockbuch, das vor dem Zweiten Weltkrieg erschienen ist, findet sich auch nur die Spur eines Hinweises. Christian Vanderheid, Karl Werner und Franz Unger, drei wichtige Autoren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, erwähnen in ihren Tarockpublikationen diese Spiele mit keinem Wort.

Wir können uns dies nur damit erklären, dass diese Autoren Traditionalisten waren, die den Neuerungen kritisch gegenüberstanden und sie deshalb nicht dokumentieren wollten. Denn dass all diese Spielvarianten erst mit einem Schlag Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden sein sollten, ist mehr als unwahrscheinlich.


Die erste schriftliche Dokumentation des modernen Königrufens findet sich in Siegfried Hackls Buch Tarock für jedermann - erschienen 1950 in Sailers Taschenreihe. Diese Buchreihe wurde von Adalbert Pechan herausgegebenen, dem späteren Begründer der Perlen-Reihe. Man kann also Sailers Taschenreihe mit Fug und Recht als Vorläuferin der Perlen-Reihe ansehen.

In Hackls Buch, das sich ausschließlich mit Königrufen befasst, finden wir immerhin schon den Piccolo, den Piccolo ouvert und die Prämienansagen Uhu und Kanari, aber noch keine Farbenspiele. Hackl vermerkt, dass er den Uhu in Linz kennen und lieben gelernt habe. Den Kanari bezeichnet er als eine Spezialität des Salzkammergutes, doch sei er auch in Wien nicht unbekannt.

Einige Jahre später werden in dem Perlen-Reihe-Band 640 Tarock komplett von Fritz Beck zwar alle Tarockspiele beschrieben, doch finden sich im Kapitel Königrufen nur Piccolo und Piccolo ouvert - selbst Uhu und Kanari sind nicht dokumentiert. Die Farbenspiele sind aus Sicht dieses Autors den Varianten des Zwanzigerrufens vorbehalten. Er erwähnt einen Farben-Solo (Farberl) und einen Farbenvalat (Farberl-Valat) in dem Kapitel "Das einfache Tarock zu dritt", allerdings keinen Farbendreier. In der Beschreibung des eigentlichen Zwanzigerufens werden keine Farbenspiele erwähnt, allerdings heißt es an anderer Stelle, dass im Hausmeistertarock, einem vereinfachten Zwanzigerrufen, der Farbensolo nicht gespielt wird - was den Umkehrschluss zulässt, dass er ansonsten im Zwanzigerrufen üblich war.

In krassem Gegensatz zu diesem Befund stehen plausible Aussagen aus Tirol, dass dort bereits in den 1950er und 1960er Jahren im Königrufen ein Farbensolorufer unter der Bezeichnung Farbeler gebräuchlich war. In dieser Zeit sind auch bereits in Wiener Runden Renvers-Spiele lizitiert worden.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2005-09-19 16:03:46
Letzte Änderung am 2005-09-19 16:03:00


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