• vom 14.09.2005, 16:48 Uhr

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Update: 14.09.2005, 16:55 Uhr

(Königrufen)

Slowenisches Tarock




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  • Zahl der Spieler: 4
  • Zahl der Karten: 54
  • Farbkarten: 32
  • Gesamtpunktezahl: 70
  • Tarock: 22
  • Sonderkarten: keine
  • Der Sküs ist der höchste Trumpf (höchstes Atout).
  • Farben: Pik, Treff, Herz, Karo
  • Farbkarten: König, Dame, Kavall, Bube
  • Schwarze Farben: 10 bis 7
  • Rote Farben: Ass bis 4
  • Tarockkarten: Sküs, XXI, XX, XIX, XVIII, XVII, XVI, XV, XIV, XIII, XII, XI, X, IX, VIII, VII, VI, V, IIII, III, II, I (Pagat)
  • Sonderkarten: keine
  • Zählwerte: Sküs, XXI, I, König: 5; Dame: 4; Kavall: 3; Bube: 2; alle anderen: 1
  • Zählweise: in Dreierlagen mit 2 Punkte-Abzug oder jeweils 1 Zählkarte und 2 Leerkarten oder in Bruchzahlen (Sküs, XXI, I, König:4 1/3 Punkte; Dame 3 1/3 Punkte, Kavall 2 1/3 Punkte usw.)

In Slowenien wird eine Variante des König-rufens gespielt, die noch aus den Zeiten der Monarchie stammt. Dieses Spiel unterscheidet sich in wesent­lichen Merk­malen von jenem Königrufen, wie es jetzt in Österreich üblich ist. Wir geben in der Folge eine Spielvariante wieder, die Zoran Obradovic für John McLeods Web-Site http://www.pagat. com zusammengestellt hat. Slowenischen Tarockierern erscheinen ihre Varianten im Ver­gleich zu den österreichischen als "weniger barock" und "wesentlich heraus­fordernder" (Obradovic). Beim slowenischen Tarock handelt es sich jedenfalls um die ein­zige Variante des Königrufens, die viele wichtige Wesenselemente des alten Tapp-Tarocks weiterleben lässt. Dazu gehören nicht nur die Lizi­tationsstufen Dreier, Zweier und Einer, wobei jeweils 3, bzw. 2, bzw. 1 Karte aus dem Talon entnommen werden darf. Auch die Abrechnung der über­schüs­sigen Punkte stammt aus dem Tappen und ist im modernen Königrufen eine Seltenheit. Da unter dem kom­munistischen Regime Kartenspiele ver­pönt waren, sind in Slowenien offensichtlich alte Varianten am Leben geblieben, die in Österreich inzwischen einem permanenten Modernisierungsprozess ausgesetzt waren.


Die Spielkarten und ihre Werte

Slowenisches Tarock wird von 4 Spielern mit 54 Karten gegen den Uhrzeiger­sinn ge­spielt. König, Sküs, Mond und Pagat zählen je 5 Punkte, Dame 4 Punkte, Ka­vall 3 Punkte, Bube 2 Punkte und jede Leerkarte 1 Punkt. Gezählt wird in Dreierlagen mit 2 Punkte-Abzug. Ein gesamtes Karten­paket ergibt daher 70 Punkte. Der Spielaufnehmer hat ein Positivspiel gewonnen, wenn er mindestens 36 Punkte erzielt hat (im Rufer mit Partner).

Die Spielweise

Es gilt Farbzwang, wer die angespielte Farbe nicht bedienen kann, muss Tarock spielen. Ist auch das nicht möglich, kann er jede beliebige Farbkarte spielen. Den Stich gewinnt jener Spieler, der die höchste Karte in der angespielten Farbe gespielt hat, falls auch Tarock gespielt wurde, das höchste Tarock. Wer den Stich gewonnen hat, kommt als nächster zum Aus­spielen.

Das Geben

Der Geber lässt den Spieler zu seiner Linken abheben und legt 6 Karten als Ta­lon verdeckt auf den Tisch. Dann gibt er in 2 Durchgängen je 6 Karten. Wurde nicht abgehoben, sondern geklopft, so erhalten alle Spieler ihre 12 Kar­ten in einem Durchgang, wobei die Vor­hand die erste Wahl hat, welches Karten­päckchen sie nimmt. Der nächste Spie­ler kann aus den verbleibenden 3 Päck­chen eines auswählen usw.Hat ein Spieler kein Tarock im Blatt, muss er die Karten zusammenwerfen. Dann mischt der Geber erneut, lässt abheben und teilt die Karten aus. Das nun folgende Spiel ist ein Pflicht-Trischaken (siehe unter "Das Lizitieren").

Das Lizitieren

Die Vorhand sagt in der ersten Lizitationsrunde nicht an, sondern wartet, bis die anderen Spieler entweder lizitiert oder gepasst haben. Die Lizitation muss immer mit Zweier-Rufer beginnen. Jede Spielansage kann mit einer höheren über­boten werden, doch ist es nicht erlaubt, eine Spielstufe zu überspringen. Wer passt, scheidet aus der Lizi­ta­tion aus. Es ist möglich, die bisher höchste Ansage zu halten, wobei folgende Rangordnung der Spieler einzuhalten ist: Die Vorhand A hat den höchsten Rang, dann folgen gegen den Uhrzeigersinn Spieler B und Spieler C und schließlich Geber D - dieser hat den niedrigsten Rang. Es gilt die Regel, dass ein Spieler mit einem höheren Rang die Spielansage eines Spielers mit niedrigerem Rang halten kann.

Dazu ein Beispiel:

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Spieler A (Vorhand)Spieler BSpieler CSpieler D (Geber)

Zweier-RuferPasseEiner-Rufer

D kann nicht den Zweier-Rufer von B halten, denn B hat einen höheren Rang als D. Spieler D hat daher nur die Möglichkeit, Einer-Rufer zu sagen oder zu passen.

Spieler A (Vorhand)Spieler BSpieler CSpieler D (Geber) Zweier-RuferPassePasse

A kann den Zweier-Rufer von B halten, denn A hat einen höheren Rang als B. Spieler A kann aber auch Einer-Rufer lizitieren.

Wenn Spieler B, C und D passen, kann die Vorhand A entweder trischaken, einen Dreier-Rufer spielen oder jedes andere höhere Spiel ansagen.

Das Lizitieren ist dann zu Ende, wenn 3 Spieler gepasst haben. Der Spielauf­nehmer kann sich nun entscheiden, welche Spielansage er wählt: entweder jene, mit der er die Lizitation gewonnen hat, oder eine höhere Spielansage.

Unter bestimmten Voraussetzungen ist Trischaken ein Pflichtspiel: Wenn ein Spieler kein Tarock im Blatt hat oder wenn die Schrift eines Spielers (das aufgeschriebene Zwischenergebnis) Null ist. In diesen Fällen kann nur Solo ohne Talon oder eine höhere An­sage oder Trischaken gespielt werden. Weil in den meisten Fällen Trischaken gespielt wird, nennt man diesen Vorgang Pflicht-Trischaken.

Die Spielansagen

Es gibt 12 Spielansagen, und zwar in ansteigender Reihenfolge Trischaken, Dreier-Rufer, Zweier-Rufer, Einer-Rufer, Dreier-Solo, Zwei­er-Solo, Einer-Solo, Bettler, Solo ohne Talon, Bettler ouvert, Farbenvalat ohne Talon und Valat ohne Talon.

Spielansagen für die Vorhand

Trischaken und Dreier-Rufer kann nur die Vorhand lizitieren, und zwar dann, wenn die anderen 3 Spieler gepasst haben.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2005-09-14 16:48:04
Letzte Änderung am 2005-09-14 16:55:00

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