• vom 18.05.2005, 08:55 Uhr

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Update: 18.05.2005, 09:03 Uhr

Die ungewöhnlichen Gärten von Gardone di sopra

Macht und Pracht über dem Gardasee




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Von Bettina Louise Haase

  • Was haben der letzte Zahnarzt des letzten Zaren und Gabriele DAnnunzio gemeinsam? Beide waren von der Landschaft des Gardasees, und besonders von Gardone Riviera fasziniert. Das mondäne Dorf am Westufer des Sees zog schon um 1900 Schöngeister an den Lungolago. In Gardone di sopra trafen sich spätestens seit 1921 Ästheten und Gartenarchitekten zum besonderen Vergnügen des Lustwandelns in den Gärten über dem See. Denn zwei skurrile Parkanlagen, das "Il Vittoriale degli Italiani", die Villa und der Park des Dichterfürsten Gabriele DAnnunzio, und das botanische Raritätenkabinett des Dr. Hruska, boten Spazierwege der besonderen Art.

1Einst wurde Gardone Riviera das "Nizza des Gardasees" genannt. Bis heute hat das kleine Dorf am Westufer des Sees nichts von seinem mondänen Charme verloren. Der deutsche Ingenieur Louis Wimmer entdeckte es 1880 bei einem Kuraufenthalt. Damals wirkte Gardone auf ihn wie ein in subtropischer Vegetation versinkendes Fischerdorf. Doch er erkannte die Zeichen der Zeit in den durch Industrialisierung und Bodenspekulation verwüsteten oberitalienischen Städten richtig: Wer dabei reich geworden war, konnten sich einen Hang zu beschaulicher Erholsamkeit in schöner Natur leisten und den zog es aus Mailand und Brescia an die Südwestecke des Gardasees. Hier fand man schon damals die klare Luft des Gebirges und das warme Klima Norditaliens.


Louis Wimmer beschloss kurzerhand, das palastartige "Grand Hotel Gardone Riviera" zu errichten. Schon bald nach dessen Vollendung traf sich immer mehr vornehmes Publikum in Gardone, der Ort war schon um 1900 edler Treff der Society. Bald schon zog sich eine lange Kette von Villen im Stil der Gründerzeit umgeben von luxuriösen Gartenanlagen das Ufer entlang und den Hang hinauf.

D Annunzios Visionen

Um 1921 verlegte auch der italienische Dichter Gabriele DAnnunzio (1863-1938) seinen Hauptwohnsitz an den Gardasee und kaufte in Gardone di sopra oberhalb des Sees eine Villa mit Park, die er "Il Vittoriale degli Italiani" nannte, "Siegesdenkmal der Italiener". DAnnunzio verstand sich als die Inkarnation des italienischen Geistes, was auch immer man darunter zu verstehen hat. Die Villa auf dem Grundstück diente DAnnunzio dazu, seine Vorstellung von absoluter Ästhetik umzusetzen: In den inszenierten Räumen sammelte der Dichter Reliquien und Requisiten, Souvenirs, Vasen und kostbare Gemälde, um sie zwischen seinen Regalen mit den kostbaren Büchern zu arrangieren. Noch heute umfasst die Bibliothek rund 33.000 Bände. Die kleinen Räume sind mit seltenen Hölzern und Gobelinstoffen üppig verziert und erinnern an einen überquellenden Antiquitätenladen. Schwere Teppiche dämpfen den Schritt, bemalte Fensterscheiben lassen kein grelles Licht durchdringen. Wertvolle Lampen und Leuchter aus Muranoglas sorgen für wohl abgestimmtes Hell und Dunkel.

Neben seinem Dasein als Schöngeist und Mäzen war DAnnunzio in Kriegsführung und alles, was den Krieg betraf, vernarrt. Von ihm stammt das Zitat: "Ohne Kriegsfieber ist das Leben sehr langweilig." Den Park von "Il Vittoriale" verwandelte er zu einer Art Freilichtmuseum für seine Kriegserinnerungen. Das ungewöhnlichste Denkmal darin ist das Vorderschiff des Kanonenbootes "La Puglia", das DAnnunzio unter großen Mühen in den Berghang einmauern ließ. Der Dichter hatte es von der italienischen Marine als Geschenk zum 60. Geburtstag erhalten und war selber auf dem Boot an den Kämpfen um Dalmatien beteiligt gewesen.

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Dokument erstellt am 2005-05-18 08:55:31
Letzte Änderung am 2005-05-18 09:03:00


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