• vom 05.05.2004, 00:00 Uhr

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Update: 30.03.2005, 12:53 Uhr

Friedrich Weissensteiner über die österreichischen Parteiführer der Zweiten Republik (9)

Der Wegbereiter Friedrich Peter




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Nach dem Tod Anton Reinthallers wurde nach einer einige Monate währenden Führungsdiskussion auf dem 3. ordentlichen Bundesparteitag der FPÖ, der vom 12. bis 14. September 1958 in Salzburg stattfand, Friedrich Peter mit 207 von 224 abgegebenen Stimmen (17 waren ungültig) zum neuen Bundesobmann gewählt. Die Partei vollzog mit seiner Wahl einen Generationenwechsel.


Friedrich Peter war zu diesem Zeitpunkt verhältnismäßig jung an Jahren und jung in der Politik. Aber er hatte bereits viel hinter sich. Die Gnade der Geburt, von der heute so viel und oft die Rede ist, wurde ihm nicht zuteil.

Der am 13. Juli 1921 in Attnang-Puchheim zur Welt gekommene Sohn eines sozialdemokratischen Lokomotivführers und einer bürgerlichen Bäckermeisterstochter besuchte nach der Volksschule die Lehrerbildungsanstalt der Salesianer in Linz. Er trat bereits im November 1938 der NSDAP bei und meldete sich freiwillig zur Waffen-SS. Im Zweiten Weltkrieg war er an der West-und Ostfront eingesetzt, zuletzt als Obersturmführer beim 10. Regiment der 1. SS-Infanteriebrigade, die zahlreiche Kriegsverbrechen beging.

Als 1975 Simon Wiesenthal, der Leiter des Jüdischen Dokumentationszentrums, diese Tatsache "enthüllte", gab Peter im ORF folgende Stellungnahme ab: "Ich habe meine Militärdienstzeit in der 1. SS-Infanterie-Brigade und in der 2. SS-Panzerdivision 'Das Reich' von 1941 bis 1945 abgeleistet. Dabei habe ich weder innerhalb noch außerhalb dieses Zeitraumes an Erschießungen noch sonstigen Repressalien teilgenommen. Meine militärische Tätigkeit beendete ich im Mai 1945 als Obersturmführer der Waffen-SS und Chef einer Panzerkompagnie. Als Kriegsauszeichnung wurde mit das EK 2 für die Teilnahme an der Winterschlacht 1941/42 verliehen. Alle von Dipl. Ing. Simon Wiesenthal gegen mich angedeuteten Unterstellungen und Verdächtigungen weise ich schärfstens zurück."

Nach Kriegsende wurde Peter in dem von der amerikanischen Militärbehörde im salzburgischen Glasenbach errichteten Inhaftierungslager zehn Monate lang festgehalten und dort einem "brainwashing" unterzogen. Nach seiner Entlassung legte er die Lehrbefähigungsprüfung für Volks-, Haupt-und Sonderschulen ab und war anschließend Lehrer an verschiedenen Schulen im Bezirk Kirchdorf an der Krems und in Linz.

Start in Oberösterreich

Friedrich Peters politische Laufbahn begann, wenn man so will, im Oberösterreichischen Landeslehrerverein. Bei den von dieser national orientierten Gruppierung veranstalteten (Diskussions)-Veranstaltungen lernte er die namhaftesten Vertreter des Dritten Lagers zu dieser Zeit kennen: Herbert Kraus, Viktor Reimann, Max Stendebach, Emil van Tongel und andere.

Der definitive Einstieg in die Politik erfolgte dann im Februar 1955, als er an der Seite Anton Reinthallers die "Freiheitspartei" mitbegründete, deren Zielsetzung es war, dem VdU eine prononciert nationale Ausrichtung zu geben. Peter, den mit Anton Reinthaller ein politisches Vater-Sohn-Verhältnis verband, erwies sich bereits damals als ein geschickter Verhandler, der dem Kompromiss und nicht der Konfrontation das Wort redete. Diesem politischen Stil ist er im Großen und Ganzen bis zum Ende seiner Karriere treu geblieben.

Niedriger Bekanntheitsgrad

Friedrich Peter war bei seiner Wahl zum Bundesparteiobmann der FPÖ Abgeordneter zum oberösterreichischen Landtag und oberösterreichischer Parteiobmann. Sein Bekanntheitsgrad war niedrig, er war politisch unerfahren. Er musste sich durch Überzeugungskraft, Leistung, Fleiß und die Fähigkeit, zwischen den nationalen und liberalen Elementen in seiner Partei ausgleichend zu wirken, profilieren. Das ist ihm im Verlauf der zwei Jahrzehnte, in denen er an der Spitze der FPÖ stand, hervorragend gelungen. Er bewies in heiklen Situationen Standfestigkeit, ein gerüttelt Maß an Durchhaltevermögen und diplomatisches Geschick

Vorrangiges Ziel des jungen Obmanns war es, musste es sein, die Partei nachhaltig zu stabilisieren, sie aus der politischen Isolation zu führen und sie regierungsfähig zu machen. Wahrlich keine leichte Aufgabe.

Die Chancen für eine Zusammenarbeit mit einer der beiden Großparteien waren nicht ungünstig. Das Kräfteverhältnis zwischen ÖVP und SPÖ war ziemlich ausgeglichen. Die Mandatsverteilung nach der Nationalratswahl von 1959, bei der sich die FPÖ von 6 auf 8 Mandate verbesserte, war 79:78 für die Volkspartei. Sowohl die Schwarzen wie die Roten bemühten sich um die Gunst der Freiheitlichen, die das Zünglein an der Waage waren.

Zunächst mit der ÖVP

Friedrich Peter setzte zunächst auf eine Zusammenarbeit mit der ÖVP. Vor der Wahl des Jahres 1962 kam es im Grazer Hotel "Erzherzog Johann" zu Gesprächen zwischen Bundeskanzler Alfons Gorbach und Josef Krainer sen., dem Landeshauptmann der Steiermark, einerseits, Friedrich Peter und Alexander Götz sen., dem steirischen Landesparteiobmann der FPÖ, andererseits. Die Gespräche verliefen vielversprechend. Eine schwarz-blaue Koalition rückte in den Bereich der Möglichkeit. Nach der Wahl teilte Gorbach der FPÖ-Führung jedoch mit, dass er seine Linie im Parteivorstand nicht durchgebracht habe.

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Dokument erstellt am 2004-05-05 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-03-30 12:53:00


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