• vom 24.02.2003, 00:00 Uhr

Archiv

Update: 08.04.2005, 15:22 Uhr

Hawaii -Inselparadies im Wandel




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Silvia Lahner

"Reisen sind keine Ferien", sagt der amerikanische Schriftsteller Paul Theroux. Als "Malihini", als "Neuankömmling", ist er vor 16 Jahren auf Hawaii gelandet, der am weitesten vom Festland entfernten Inselgruppe der Welt. Hawaii - das ist genau genommen ein Archipel von über 130 Inseln inmitten des Pazifik. Nur die 20 südlich gelegenen und größeren Eilande gelten als Hawaii-Inseln, der Rest wird zu den Midway-Inseln gerechnet. Von den Hawaii-Inseln wiederum sind heute nur acht bewohnt. Maui ist die zweitgrößte Insel - mit einer Fläche von etwa 1900 Quadratkilometern. Im Osten wird sie von dem schlafenden Vulkan Hale'akala dominiert, im Westen von einer Bergkette mit dem Pu'u Kukui als höchste Erhebung.


Unterwegs auf Maui

Im Gegensatz zur Insel Oahu - mit Honolulu als pulsierendem Zentrum - ist Maui - trotz seiner hohen Hoteldichte im Süden - eine vergleichsweise beschauliche Insel geblieben. Vor allem zeichnet sie sich durch ihren landschaftlichen Facettenreichtum aus - man findet auf Maui den klassischen Strand mit weißem Sand, Palmen und vor gelagertem Taucherparadies ebenso wie wild zerklüftete Felsküsten, Golfplätze und vegetationslose Kraterlandschaften.

In den Wintermonaten ziehen alljährlich die Buckelwale durch die Meeresstraßen zwischen dem Eiland und seinen Nachbarinseln Molokai, Lanai und Kahoolawe. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts galten diese Gewässer daher auch bevorzugtes Terrain für Walfänger. Und Lahaina, bis 1846 die Hauptstadt des von Kamehameha gegründeten Königreichs Hawaii, entwickelte sich für einige Zeit zum Quartier der rauen Seemänner - bis zu 400 Schiffe sollen einst gleichzeitig im Hafen vor Anker gegangen sein.

Heute ist das an der Westküste gelegene Lahaina das touristische Zentrum der Insel. Entlang der Front Street findet man bis zu 100 Jahre alte Holzhäuser, die Restaurants, Bars und Verkaufsläden kokettieren - was die ihre Aufmachung betrifft - immer noch ein wenig mit dem Walfänger-Image. Etwas außerhalb des Zentrum hat man ein altes hawaiianisches Dorf nachgebaut. Allabendlich kann man sich dort im Rahmen eines traditionellen Festes - des Old Lahaina Luau - auf melodiöse Weise in die Geschichte der Hawaiianer und ihrer Vorfahren, die einst aus Polynesien, aus Tahiti zur großen Seereise aufgebrochen, einführen lassen.

Let's Party

Vor der mit Palmenblättern bedeckten Eingangshütte ist der Andrang groß. Julie Yoneyama, die Managerin des Festes, versucht den Besucherzustrom irgendwie zu kanalisieren. Ein raffiniertes Reservierungssystem macht es möglich, ohne Vergabe von nummerierten Plätzen den Schein von unfassbarem Improvisationstalent zu wahren, obwohl bereits längst eine genaue Sitzordnung für die Festgäste existiert. "Sie müssen sich vorstellen - ich organisiere täglich eine Party für 400 Personen, das ist ein Killerjob", meint Julie Yoneyama amüsiert über ihr berufliches Anforderungsprofil.

Das Gelände des Old Lahaina Luau liegt direkt am Meer. Aus einer Vielzahl von Tischen, die jeweils für acht Personen gedeckt sind, hat man ein Halbkreis geformt. In seiner Mitte befindet sich die Naturbühne - eine mit Erdreich aufgeschüttete, künstlich erhöhte Rasenfläche. Dahinter, entlang einer kleinen Strandpromenade, kann man sich mit dem regionalen Kunsthandwerk vertraut machen - es werden Blumenketten geknüpft und man erfährt, wie einst Stoff aus der Rinde des Maulbeerbaumes gewonnen wird.

Hula - das Gespräch

mit den Göttern

In bunte Tücher sind jene jungen Damen gehüllt, die in unmittelbarer Nähe einige Malihinis in die Kunst des Hula einzuführen versuchen. Mit Puilis, den seitlich aufgeschlitzten Bambusstöcken, wird der Rhythmus geschlagen, ein Rhythmus, der schließlich den ganzen Körper erfassen soll.

Die Tradition des ursprünglichen Hula Tanzes, des Hula Kahico, war auf den Hawaii-Inseln tief verankert, erzählt Julie Yoneyama. Wer heute Hula wirklich erlernen möchte, muss sich einem Kumu, einem Lehrmeister anvertrauen.

Die ersten Missionare, die aus dem Westen kamen, hielten den Tanz für eine derartige Bedrohung, dass sie ihn sogar verboten. König David Kalakaua hob dieses 1825 verhänget Verbot zwar wieder auf, und den Bewohner der Inseln war es wieder erlaubt, Hula wieder praktizieren - aber mit der Auflage, dass es sich dabei um eine reine Unterhaltungsperformance handeln durfte. So ist der Hula Auwana entstanden, bei dem die Tänzerinnen bunte Stoffgewänder tragen, auf der Ukulele begleitet werden und oftmals in englischer Sprache singen. Wie wenig diese Form des Hula mit den ursprünglichen Traditionen zu tun hat, das versucht man im Rahmen des Luau zu vermitteln.

Die große Seereise

der Polynesier

Auf der kleinen Naturbühne haben bereits die ersten Tänzerinnen und Tänzer Aufstellung genommen. Ihre Aufgabe ist es, die große Seereise der Polynesier nach Hawaii darzustellen, ihre Ankunft auf den Inseln und ihre Verbundenheit mit der Natur, den Göttern und dem König.

In traditionellen Kostümen aus der Rinde des Maulbeerbaumes, mit Kränzen aus Blumen und Blättern geschmückt, zeigen die Künstlerinnen und Künstler Ausschnitte aus dem Lebensalltag der frühen Inselbewohner, die sich als Ohana, als große Familie begriffen, die als Fischer und Bauern lebten, jeden Tag einem anderen Gott weihten und deren Gesellschaftssystem und Leben sich radikal änderte, als James Cook im Jänner 1778 in der Bucht von Waimea vor Anker ging.

weiterlesen auf Seite 2 von 2



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2003-02-24 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 15:22:00


Werbung




Werbung