• vom 17.09.2002, 00:00 Uhr

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Update: 08.04.2005, 15:30 Uhr

Marek, ein glänzender Organisator




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Franz Joseph ernannte bei der letzten Regierungsbildung seines Lebens noch einmal Herrn von Koerber, einen der Besten, die je dieses Amt geführt haben, zum Ministerpräsidenten. Finanzminister dieses kurzlebigen Kabinetts wurde Karl Marek. Friedrich Kleinwaechter erzählt, die beiden hätten durch längere Zeit allmittäglich das- selbe Restaurant frequentiert, woraus eine nähere Bekanntschaft geworden sei. Und Koerber habe die frische, unbürokratische Art Mareks, vor allem seine Freimütigkeit in der Kritik an den Verwaltungszuständen, gefallen.


Marek war am 5. Februar 1860 in Eger geboren worden. Nach Vollendung seiner Studien trat er 1883 in die Dienste der Pilsner Bezirkshauptmannschaft. 1888 wechselte er nach einigen weiteren Zwischenstationen zur Finanzbezirksdirektion Leitmeritz über, wo er mit den unter dem damaligen Finanzminister Dunajewski eingeführten neuen indirekten Steuern, wie Branntwein-, Bier und Zuckersteuer, befasst war.

Die nächste Station war 1891 die Finanzlandesdirektion in Prag, wo er das Verzehrungssteuerdepartement mehrere Jahre hindurch zu führen hatte. Im Jahre 1892 kam Marek als Steuerinspektor nach Sereth in der Bukowina, wo damals große Missbräuche im Zollwesen beseitigt werden mussten. In Czernowitz, wohin Marek nach der Abwicklung dieser Zollangelegenheiten ging, war er durch sieben Jahre damit beschäftigt, die Finanzverwaltung von Grund auf zu reformieren. Seine nächste Lebensstation war Graz, wo er ab 1898 bei der Finanzlandesdirektion ein wichtiges Referat führte, Vorlesungen aus Staatsverrechnungswissenschaften an der Universität hielt und Prüfungskommissär für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft war.

Finanzminister Kosel berief ihn 1905 mit der Aufgabe in das Finanzministerium, das Rechnungswesen auf bargeldlosen Zahlungsverkehr umzustellen. "Bis zu dieser Reform", schreibt Kleinwaechter, "reisten ununterbrochen Säcke mit Metallgeld und Notenpaketen auf den österreichischen Eisenbahnen spazieren. Was eine solche Reform bedeutet, kann sich der Außenstehende gar nicht vorstellen. Seit Jahrhunderten eingewurzelte Gewohnheiten, der Widerstand einer Armee von Kassen- und Rechnungsbeamten mussten überwunden, neue Vorschriften geschaffen werden. Immer wieder musste dem 'Das geht nicht' der Fachleute entgegen- getreten werden."

Unter Finanzminister Zaleski wurde Marek zum Chef der Monopolsektion ernannt. Seit Februar des Jahres 1916 leitete er die Budgetsektion.

Kleinwaechter schildert ihn als "eine außerordentlich sympathische Persönlichkeit. Rasche Auffassungsgabe, energisch, voll Humor, kein Bürokrat. Obwohl kein Jüngling mehr, wirkte er im Wesen durchaus jugendlich." Als Minister habe er die angenehme Eigenschaft gehabt, alle unwesentlichen Akten unbesehen zu unterschreiben. Darum habe er es sich auch leisten können, allabendlich um acht sein Büro zu verlassen. In der Zeit, da Marek Finanzminister war, wurde die fünfte Kriegsanleihe begeben, die seine Zeichnung trägt.

Mareks kurze Amtszeit endete nach zwei Monaten mit dem Tode des Kaisers Franz Joseph. Der junge Kaiser Karl wollte nämlich die Regierung Koerber nicht übernehmen. Der Finanzminister kehrte wieder an seine Stelle als Budget-Sektionschef zurück, was bisher nicht üblich gewesen war, blieb aber nur noch wenige Monate im Amt.

Im Juli 1917 erlag er dem Lockruf des großen Geldes und übernahm die Funktion eines Präsidenten der Depositenbank, die er am 1. September 1919 an den berüchtigten Camillo Castiglioni verlor, der das altangesehene Haus dann binnen kurzer Zeit ruinierte.

Ab 1920 war Marek Präsident der Export- und Industriebank. 1922 musste er sich wegen Kränklichkeit gänzlich aus dem Berufsleben zurückziehen. Am 21. April 1923 ist er in Wien gestorben. Er hinterließ seine Witwe und zwei Kinder.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2002-09-17 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 15:30:00

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