• vom 17.09.2002, 00:00 Uhr

Archiv

Update: 08.04.2005, 15:30 Uhr

Von Kübeck bis Grasser: Österreichs Finanzminister von 1848 bis heute - 22. Teil: Karl Leth und Karl Marek

Leth, ein Mann der Postsparkasse




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Wolfgang Fritz

Die österreichische Kriegsführung musste zu Beginn des Weltkrieges schwere Rückschläge in Galizien hinnehmen, die in der Folge wettgemacht werden konnten. Am 23. Mai 1915 trat jedoch der frühere Verbündete Italien auf der Seite der Alliierten in den Krieg ein. Es begann ein opferreiches Ringen zwischen den beiden Nachbarn, ohne dass sich einer von beiden durchsetzen hätte können. Bald trat Knappheit sowohl an Kriegsmaterial als auch an Nahrungsmitteln auf. Am 1. Dezember 1915 wechselte Ministerpräsident Graf Stürgkh, auf diese Nöte reagierend, drei Mitglieder seines Kabinetts aus: Den Innen-, den Handels- und den Finanzminister.


Nachfolger August Engels in der Himmelpfortgasse wurde der Gouverneur der Postsparkasse, Dr. Karl v. Leth, der mit Engel die drei Kriegsanleihen durchgeführt hatte. "Er war ebenfalls Bankier, mag sein, Staatsbankier", schreibt die "Neue Freie Presse" anlässlich seiner Ernennung. "Wie seine schwungvolle Tatkraft, sein Wille und vielleicht auch sein Ehrgeiz sich in der Postsparkasse schöpferisch durchsetzten, wie sein Mut vor den ernsten Schwierigkeiten der Finanzverwaltung nicht zurückschreckt, so glaubt er an sich selbst und hat das glückliche Vertrauen, das sich anderen mitteilt und die Fähigkeiten zu leiten gibt. Er hat etwas Freies und Offenes, und seine Arbeit war nie Erledigung von Akten, sondern hinwirkend auf einen bestimmten, lebendigen Zweck. Ob ein einzelner Mensch wird leisten können, was dieser Krieg dem Finanzminister auferlegt, wer vermöchte das jetzt zu sagen!"

Leth war am 27. Mai 1861 in Wien geboren worden, wo er auch das Gymnasium und die juridischen Studien absolvierte. Er kam im Jahre 1884, erst 23-jährig, unter der Bedingung in der Postsparkasse unter, dass seine Eltern einen Gehaltszuschuss von 30 Gulden leisteten. Es berief ihn aber noch im selben Jahr Anstaltsgründer Coch in seinen Stab. Als 1896 die Postsparkasse erstmals in das Syndikat zur Emission einer Staatsanleihe berufen wurde, war Leth der Mann, der sie im Syndikat vertrat. Direktor Kosel verwendete ihn auch bei seinen harten Rationalisierungsmaßnahmen. So rückte er im Jahre 1902 zum Direktorstellvertreter vor. Als 1904 Kosel die Stelle eines Direktors der Postsparkasse mit der des Finanzministers tauschte, wurde Leth interimistisch mit der Leitung des Amtes betraut. Für die Funktion des Postsparkassendirektors soll er aber dem Ministerpräsidenten Koerber zu jung gewesen sein. Nachfolger Kosels wurde Rudolf Schuster-Bonnott. Schuster war es auch, der 1910 den noch heute üblichen Titel eines Gouverneurs erhielt, der bisher nur Notenbank, Länderbank und Bodencreditanstalt vorbehalten gewesen war.

weiterlesen auf Seite 2 von 2



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2002-09-17 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 15:30:00

Werbung




Werbung