• vom 05.02.2002, 00:00 Uhr

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Update: 08.04.2005, 15:43 Uhr

Von Kübeck bis Grasser: Österreichs Finanzminister von 1848 bis heute (6. Teil: Franz Karl Becke)

Der Findige und Gewandte




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Von Wolfgang Fritz

Das Ministerium Belcredi hatte in jeder Hinsicht versagt: Krieg verloren, Finanzen zerrüttet, Verfassung sistiert. Ein neuer Mann musste her, der mit der Vergangenheit in keiner Weise belastet war, und vor allem die Verfassungskrise zu lösen vermochte. In einem groß angelegten Kompromiss sollten dem deutschliberalen Bürgertum die Grundrechte zugestanden werden, damit es seinerseits den Ausgleich mit Ungarn akzeptierte. Kaiser Franz Joseph ging hier bis zum Äußersten: An die Spitze der Regierung setzte er den gewesenen sächsischen Minister Friedrich Ferdinand Freiherr von Beust (1809-1886), dem die Aufgabe zukam, die entsprechenden Verhandlungen, vor allem auch mit den Ungarn zu führen. Franz Karl Becke wurde mit dem Finanzministerium und der provisorischen Leitung des Handelsministeriums betraut.


Becke war am 31. Oktober 1818 als ältestes von sechs Kindern des Oberamtmannes Karl Anton Becke und seiner Frau Anne Maria, geborene von Montag, in Kollinetz (heute Kolinec) im Böhmerwald geboren. Er studierte die Rechtswissenschaften in Prag und trat schon 1840, nach dem Absolutorium, bei der dortigen Finanzprokuratur in den Staatsdienst ein. Von Kübeck in die Hofkammer berufen, versah er zur gleichen Zeit eine Assistentenstelle für Statistik und Gefällkunde an der Wiener Universität.

1846 wechselte der Sprachbegabte in den Konsulardienst, wurde Kanzler beim Konsulat im damals noch türkischen, heute rumänischen Galatz und bald darauf beim Generalkonsulat in Alexandria verwendet.

1850 - 52 war er -- unter dem Minister Freiherr von Bruck - ins Handelsministerium einberufen, wo er mit der Reorganisation des Konsulatsdienstes befasst war.

Später zum Kanzleidirektor und 1854 zum Konsul in Konstantinopel vorgerückt, wo er wieder auf Bruck, diesmal in der Funktion des österreichischen Internuntius bei der Hohen Pforte, traf, erhielt er mit dem Ausbruch der Krimkrise die Chance, seine besonderen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. 1856 kehrte er als österreichischer Vertreter bei der Donaukommission im Range eines Sektionsrates nach Galatz zurück. Für die besonderen Verdienste, die er sich in dieser höchst schwierigen Stellung erwarb, erhob ihn der Kaiser in den Ritterstand.

Als 1861 die Liberalen unter Schmerling an die Macht kamen, errichteten sie ein eigenes Marineministerium, das zunächst unter der Leitung des Handelsministers Konstantin Graf Wickenburg (1797-1880) stand. Wickenburg war schon mit 38 Jahren zum Statthalter in der Steiermark ernannt worden, und er hatte da besonders segensreich gewirkt. Weil er sich jedoch 1848 auf die Seite der Aufständischen gestellt hatte, war er während der neoabsoluten Ära im Abseits gestanden.

Seine Ernennung auf den Posten des Handelsministers war gewissermaßen als Wiedergutmachung für erlittene Unbill anzusehen.

Unter Wickenburg nun stieg Becke zum Vizepräsidenten bei der Zentral-Seebehörde in Triest auf. 1862 wurde Friedrich Burger, bisher Statthalter des Küstenlandes, zum Marineminister ernannt. Burger, ein gebürtiger Kärntner, war zu Zeiten, als Graf Stadion und Bruck dort das Sagen hatten, Rechtsanwalt in Triest gewesen und hatte, als diese beiden Herren zu tragenden Säulen der Regierung Schwarzenberg aufgestiegen waren, seinerseits Karriere als Statthalter in der Steiermark und in der Lombardei gemacht.

Es besteht daher einiger Grund zu der Vermutung, dass Becke als Mitglied der "Triest-Seilschaft" dorthin kam. Ebenfalls hinzu zu zählen war wohl der Vizeadmiral Bernhard von Wüllerstorf-Urbair (1816 - 1883), seinerzeit Kommandant des Marinehafens von Triest, inzwischen als Weltumsegler zur Berühmtheit geworden.

Als die Regierung Belcredi das Marineministerium auflöste, wurde er, sozusagen zur Entschädigung des maritimen Elements, zum Handelsminister ernannt. Wüllerstorf wieder empfahl dem nicht sehr sachkundigen Grafen Larisch den Vizepräsidenten Becke als rechte Hand, was wohl ein geschickter Schachzug war, weil sich Wüllerstorf während seiner Ministerzeit vor allem als Förderer des Eisenbahnwesens betätigte, was eine teure Angelegenheit war. In Becke, der in Triest auch Zeit gefunden hatte, zwei Arbeiten zur Frage des siebenbürgischen Eisenbahnbaus zu publizieren, hatte er einen Unterstützer an dem Ort, wo der Bartel den Most holt, zumal Becke, bald im Range eines Unterstaatssekretärs, als der wahre und eigentliche Minister im Hintergrund wirkte.

Als Graf Larisch am 21. Jänner 1867 zurücktrat , wurde Franz Karl Becke einstweilen mit der Leitung des Ministeriums betraut, definitiv übernahm er das Ministerium am 7. März 1867.

Am 17. Februar beauftragte der Kaiser den Grafen Julius Andrassy (1823-1890), einen Mann, der 1851 in Abwesenheit gehängt worden war, mit der Bildung eines ungarischen Ministeriums.

Am 13. März legte die neue Regierung in der Ofener Burg ihren Amtseid ab und am 8. Juni fand die Krönung Franz Josephs zum ungarischen König statt.

Schon am 8. März 1867 traf Becke mit seinem gleichzeitig mit ihm bestellten ungarischen Amtskollegen Melchior Grafen Lónyay zusammen und handelte die Ausscheidung der ungarischen Angelegenheiten aus der österreichischen Finanzverwaltung aus.

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Dokument erstellt am 2002-02-05 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 15:43:00


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