• vom 07.01.2002, 00:00 Uhr

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Update: 08.04.2005, 10:32 Uhr

Von der Werkbundsiedlung zum Gasometer - Vom Wiederaufbau bis ins E-Zeitalter

Gesiba - ein Baustein Wiens




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Von Nadja Traxler-Gerlich

  • Bei ihrer Gründung im Jahr 1921 hatte die Gesellschaft die Aufgabe übertragen bekommen, den kommunalen Wohnbau Wiens - der heute noch weltweit als vorbildlich gilt - durch die Errichtung von Einfamilienhäusern sinnvoll zu ergänzen. So entstanden unter anderem die Siedlungen "Am Laaerberg", "Heuberg" und "Spiegelgrund". Ein weiteres international bis heute viel beachtetes und vielbesuchtes Projekt war die zwischen 1929 und 1932 errichtete "Werkbundsiedlung" - 70 Einfamilienhäuser, von Architekten mit Weltruf entworfen, als Prototypen für den weltweiten Einfamilienhausbau. Heute zählt die Gesiba zu den führenden Gemeinnützigen.

Die Werkbundsiedlung ist heute noch Vorbild für kommunikatives, fortschrittliches Wohnen. Die bedeutendsten Architekten der Zeit - von Clemens Holzmeister bis Richard Neutra, Walter Sobotka, Otto Niedermoser und Oskar Strnad, um nur einige zu nennen, verwirklichten in Einzelhäusern ihre jeweils individuellen Vorstellungen des Wohnens. Trotz allem Individualismus entstand eine Siedlung, die in ihrer architektonischen Klarheit heute noch beeindruckt.


Nach der Wirtschaftskrise und in den dreißiger Jahren, als die Schatten des Faschismus schon bedrohlich über Wien auftauchten, die Sozialdemokraten verboten wurden, die wirtschaftliche Lage immer aussichtsloser wurde, wurde auch in Wien kaum mehr etwas gebaut.

Wiederaufbau: Per-Albin-Hansson-Siedlung

Bereits in der Zwischenkriegszeit baute die Gesiba auch Wohnungen für die Stadt Wien und führte diesen Aufgabenbereich nach 1945 weiter. So entstand z. B. ab 1947 die "Per-Albin-Hansson-Siedlung" in Favoriten, die auf die Vorbilder der sozialen Wohnbauten der zwanziger Jahre zurückgreiften und neuen leistbaren Wohnraum für Tausende Familien schuf.

In den fünfziger Jahren wurde die Gesiba autonom und begann eigene Objekte zu errichten. Mittlerweile hat die Gesellschaft mehr als 30.000 Gemeindewohnungen sowie auch Pensionisten- und Behindertenheime, Schulen, Jugendzentren und Kindergärten errichtet. Durch den Bau eigener Mietwohnungen ab den sechziger Jahren wurde die Gesiba zu einem der größten gemeinnützigen Bauträger Österreichs.

Die anschließende Verwaltung der eigenen Mietobjekte führte zu einem starken Anwachsen des Dienstleistungsbereiches, der auch durch die Übernahme von Gemeindeobjekten und Stiftungshäusern weiter ausgebaut werden konnte. In den siebziger Jahren wird Österreich dann "europareif", im Wohnbau geht die Gesiba neue Wege.

Vorbild Alt Erlaa

Vor mittlerweile 25 Jahren wurde der Wohnpark Alt Erlaa errichtet. Schon der Name verrät das Programm. Die Mieter sollten im Grünen, wie in einem Park, wohnen. Wohnungen sollten nicht nur Schlafstätten, Wohnanlagen nicht anonyme Häuserfassaden sein.

Ein neues integriertes Wohn- und Lebenskonzept entstand. Für damalige Zeiten waren Schwimmbäder am Dach, Saunen, großzügige Grünflächen und Spielplätze, begrünte Terrassen usw. noch eine Sensation. Und das alles zu Mietkosten, die für jeden erschwinglich waren.

Von der Stadterweiterung zur Stadterneuerung

Schon bald erkannte die Gesiba den Wert von Altbestand und engagierte sich in Stadterhaltungs- und Sanierungsprojekten, wie der Revitalisierung des "Spittelbergs" im 7. Bezirk. Modern wohnen in alten Häusern - ein Erfolgsgeheimnis, welches international Furore machte. Der Spittelberg als Musterprojekt, wie man alte Stadtsubstanz nicht nur rettet, sondern sie auch belebt, Infrastrukturen schafft, neue kulturelle Impulse setzt und neues Stadtgefühl erzeugt. Gleichzeitig wurde verhindert, dass der Spittelberg Spekulanten in die Hände fiel.

Die Gesiba hat in den letzten Jahren nicht nur in architektonische Experimente investiert, sondern auch in Forschung und Technologie. Beste Beispiele sind das Niedrigenergiehaus im 21. Bezirk oder die Anlage in der Maroltingergasse. Konsequent wie kaum eine andere Wohnbaugesellschaft, wurden die Errungenschaften der neuen Kommunikationstechnologien für die Mieter genutzt.

In den beiden Gasometertürmen wird ein E-living-Experiment durchgeführt, das alle Mieter via Intranet vernetzt, das auch allen Mietern Zugang zu Dienstleistungen der Gesiba bietet.

Bereits 60 Prozent aller Wohnungsanfragen werden über E-Mail gestellt, die neuen Wohnanlagen können via Internet quasi virtuell besichtigt werden.

Die Gesiba zählt heute - nach 80 Jahren - zu den bedeutendsten gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften in Wien. Alleine im Jahre 2000 wurden ca. 750 Wohnungen übergeben. Zurzeit werden 1.600 Wohneinheiten errichtet. Derzeit verwaltet die Gesiba-Gruppe rund 22.000 Wohnungen und inklusive Garagen, Lokalen usw. insgesamt rund 39.000 Verwaltungseinheiten - und zählt somit auch im Verwaltungsbereich zu den größten Gemeinnützigen im Land. Info: http://www.gesiba.at



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2002-01-07 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 10:32:00


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