• vom 25.04.2010, 17:27 Uhr

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Update: 25.04.2010, 17:28 Uhr

Georg Büchners "Leonce und Lena" am NÖ Landestheater

Wer sich krank- arbeitet, ist strafbar




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Von Hilde Haider-Pregler

  • Es gehört zu den Eigentümlichkeiten des deutschen Lustspiels, dass gerade die in den literarischen Kanon eingegangenen Werke eher zu tiefsinnigen Interpretationen als zu unbeschwertem, herzhaften Gelächter animieren. Georg Büchners "Leonce und Lena" (1838) bildet da keine Ausnahme: Auf den ersten Blick ein romantisches Märchen vom Zusammenfinden zweier Königskinder, beim näheren Hinschauen aber eine Gesellschaftssatire auf den Spätabsolutismus, zusätzlich angereichert mit witzig verschlüsselten Anspielungen auf die zeitgenössische Literatur.
  • Demgemäß gibt es auch in Lisa-Maria Cerhas um Authentizität und Aktualität bemühter Inszenierung auf der Werkstattbühne des niederösterreichischen Landestheaters nicht allzu viel Gelegenheit zum Lachen, umso mehr aber zu besinnlichem Lächeln. Ganz deutlich wird beinahe schmerzhaft spürbar, dass Prinz Leonce (Oliver Rosskopf) im Königreich Popo nicht nur vor der arrangierten Ehe mit der ihm unbekannten Prinzessin Lena (Pippa Galli) Reißaus nimmt, sondern auch der bleiernen Langeweile und Melancholie entkommen möchte. Als Reisegefährte steht ihm Valerio (Klaus Haberl), den "ungeheure Ausdauer in der Faulheit" auszeichnet, zur Seite.

Jubel für den Untätigen


Auf seiner Flucht trifft nun Leonce auf eine schöne Unbekannte, in die er sich naturgemäß verliebt, ohne zu wissen, dass es sich um die für ihn bestimmte Braut aus dem Reich Pipi handelt, die ihrerseits gegen die Zwangsheirat revoltiert. Ihre Identität erkennen die Liebenden erst nach der "in effigie" vollzogenen Hochzeitsfeier. König Peter (Othmar Schratt), der seinen Untertanen stets das Denken abgenommen und vor lauter Denken nie zum Regieren Zeit gefunden hat, darf endlich abdanken. Am Horizont kündigt sich ein utopisches Zeitalter an.

Wurde bisher das schuftende, hungernde Volk zu Jubelchören für die untätigen, aber in Saus und Braus dahinlebenden Herrschenden abkommandiert, so erlässt nun Valerio als neuer Staatsminister ein Dekret, dass künftighin jeder, "wer sich krankarbeitet, kriminalistisch strafbar" sein wird. Der Zuschauerraum liegt im Dunkel, die Frohbotschaft ertönt aus dem Lautsprecher. Die Brücke zum Heute ist geschlagen.

Theater

Leonce und Lena

Lustspiel von Georg Büchner

Lisa-Maria Cerha (Regie)

Mit Pippa Galli, Oliver Rosskopf

NÖ Landestheater St. Pölten

Tel.: 02742/90 80 60 - 600

Wh.: 27. bis 30. April



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Dokument erstellt am 2010-04-25 17:27:31
Letzte Änderung am 2010-04-25 17:28:00


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