• vom 27.01.2010, 17:35 Uhr

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Vincent Enyeama brachte Nigeria ins Halbfinale und widersetzt sich dem Stereotyp des afrikanischen Tormanns

Ein Kämpfer gegen das Klischee




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  • Viele Fehler von Torhütern beim Afrika-Cup.
  • Afrikas Stars stehen nicht im Tor.
  • Luanda/Wien. (man) Vincent Enyeama ist ein untypischer afrikanischer Held. Denn für einmal war nicht einer der Mittelfeldspieler oder Stürmer aus den besten europäischen Ligen der Star, sondern Enyeama, der Tormann, der in Israel bei Hapoel Tel Aviv spielt und in dieser Funktion in der Europa League auch schon die Stürmer von Rapid verzweifeln ließ.

Vincent Enyeama verwandelte den entscheidenden Elfmeter, nachdem er zuvor einen Penalty hielt. Foto: ap

Vincent Enyeama verwandelte den entscheidenden Elfmeter, nachdem er zuvor einen Penalty hielt. Foto: ap

Der 27-Jährige brachte Nigeria quasi im Alleingang ins Halbfinale des Afrika-Cups, in dem am Donnerstag (17 Uhr/live Eurosport) Ghana wartet. Im Viertelfinale am Montag parierte er zunächst den letzten Elfmeter von Sambia, um dann den entscheidenden Penalty selbst zu verwandeln. Darin hat Enyeama Übung, für Hapoel Tel-Aviv verwandelte er diese Saison aus dem Spiel bereits drei Elfmeter.

Doch Positivschlagzeilen von Torhütern sind beim Afrika-Cup die Ausnahme. Die Tormänner haben zwar auch spielentscheidende Szenen, diese sorgen aber meist für negative Schlagzeilen. Von 53 Toren in der Vorrunde ließen sich 23 mehr oder weniger einem groben Tormannfehler zuschreiben, rechnet die englische Zeitschrift "The Observer" vor.


Schlechte Torhüter ist eines der am weitesten verbreiteten Klischees über den afrikanischen Fußball - beim heurigen Afrika-Cup in Angola erhält es durch diese Zahlen neue Nahrung. Für die Ursachen gibt es mehrere Erklärungsansätze. Didier Ovono, beim Afrika-Cup Torhüter des Gabuns, erzählt dem "Observer", dass er erst mit zwölf Jahren vom Mittelfeldspieler zum Torhüter umfunktioniert wurde. Das ist in Afrika kein außergewöhnlicher Werdegang.

Zudem gibt es für afrikanische Jugendliche kaum Startormänner, denen sie nacheifern können. Die großen Idole spielen im Mittelfeld oder im Angriff. In Carlos Kameni, Torhüter von Kamerun und Espanyol Barcelona, und Ovono, der für Le Mans spielt, gibt es nur zwei afrikanische Goalies, die in einer großen europäischen Liga Stammspieler sind.

Keine Torhütertradition

Claude Le Roy, ein französischer Trainer, der lange Jahre in Afrika gearbeitet hat, führt mit der Platzinfrastruktur ein weiteres Argument ins Treffen: "Viele Fußballfelder sind mit Steinen und zerbrochenen Flaschen übersät oder hart wie Beton. Da will sich niemand hinschmeißen."

Durch die zahlreichen Akademien europäischer Spitzenklubs, die in den vergangenen Jahren in Afrika aus dem Boden schossen, könnte sich das ändern. Dort herrschen zumindest am Platz meist ideale Bedingungen. Ob das die mangelnde Tradition allerdings kaschiert und vor allem, ob das noch relativ junge Modell der afrikanischen Fußballakademien überhaupt Erfolg hat, ist noch offen. Aber vielleicht sind ja die Enyeamas, die Kamenis oder die Ovonos die Begründer der afrikanischen Torhütertradition.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-01-27 17:35:16
Letzte Änderung am 2010-01-27 17:35:00

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