• vom 12.01.2010, 16:16 Uhr

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Salzburg: "Der Freischütz" mit englischem Kleinstadt-Touch

Man war "very amused"




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Von Reinhard Kriechbaum

  • Musiklehrer dürfen sich glücklich schätzen: Es gibt wieder einen "Freischütz" in Salzburg, endlich ist er nicht nur Schulbuch-Stoff. Abgesehen von der Festspiel-Aufführung vor anderthalb Jahren hat es über Jahrzehnte hier keine Inszenierung gegeben.

Jagdgesellschaft trifft auf urbane Lebensart: Julianne Borg (im weißen Kleid). Foto: Schneider

Jagdgesellschaft trifft auf urbane Lebensart: Julianne Borg (im weißen Kleid). Foto: Schneider

Jagdgesellschaft trifft auf urbane Lebensart: Julianne Borg (im weißen Kleid). Foto: Schneider

Jagdgesellschaft trifft auf urbane Lebensart: Julianne Borg (im weißen Kleid). Foto: Schneider Jagdgesellschaft trifft auf urbane Lebensart: Julianne Borg (im weißen Kleid). Foto: Schneider

Vielleicht werden sich die Schüler ein bisserl wundern, weil die Leute in karierten Anzügen herumrennen, aber das gehört zum Konzept der Engländer Annilese Miskimmon (Regie) und Simon Lima Holdsworth (Ausstattung). Die Handlung spielt in einer altmodischen Bürgergesellschaft, der man jederzeit zutraut, dass sie zur Fuchsjagd aufbricht. Die Mischung von Jagdgesellschaft und urbaner Lebensart hat Witz. So wird immerhin deutlich, dass die Regisseurin darauf hinzielt, dass die alten Werte hier nicht mehr so recht funktionieren.


Statt einer Försterstube ein Wirtshaus mit Neonröhren-Beleuchtung, mit Glas-Fassade zum Wald hin. Das sieht ein bisserl aus, als ob Anne Viebrock ein Bühnenbild für Christoph Marthaler erdacht hätte. Dem wäre auch die Idee zuzutrauen, die Wolfsschlucht-Szene indoor spielen zu lassen. Die Freikugeln werden also in jenem Blech-Mistkübel gegossen, in dem Ännchen kurz zuvor das von der Wand gefallene Bild des Förster-Urahns versenkt hat. Das könnte psychologisch tief greifen, wird hier aber trotzdem nur ein zwar technisch aufwendiges, aber ein bisserl kindisches pyromanisches Spektakel. So leicht plagiiert man Marthaler dann doch nicht.

Im Prinzip wird die Geschichte geradlinig erzählt. Am Ende zieht der scheinbar geläuterte unglückliche Schütze sein Hemd aus und das Publikum sieht auf seinem nackten Rücken die in die Haut gebrannte Ziffer Sieben. Max wird also auch nach der verspäteten Heirat mit Agathe ein teuflisch Gezeichneter sein.

Kantiger Klang

Leo Hussain legt sich mächtig ins Zeug, da züngeln die Wolfsschlucht-Flammen schon von der Ouvertüre weg immer wieder auf. Ein wenig kantig legt der Salzburger Opernchef die Sache an, und irgendwie hat man den Eindruck, dass er dabei immer haarscharf an den eigentlich rechten Tempi vorbei schrammt. Das Mozarteumorchester macht seine Sache freilich gut, den Raum füllend, aber ihn nicht sprengend.

Daniel Kirch ist ein Max mit hellem, gut fokussierten Tenor. Er wirkt, als ob er das Gewehr nach der Matura zum Geschenk bekommen hätte. Der böse Kaspar (Marcell Bakonyi) ist ein patenter Kerl. Mit der Sprache liegt es in der Aufführung manchmal im Argen, vor allem bei Julianne Borg (Agathe) und Karolína Plicková (Ännchen). Dass das Esperanto im Verlauf der Proben niemandem aufgefallen sein sollte? Der Chor ist reizvoll eingekleidet, liebevoll geführt, er singt beweglich, homogen und charmant.

Oper

Der Freischütz

Von Carl Maria von Weber

Annilese Miskimmon (Reg.)

Leo Hussain (Dir.)

Mit: Daniel Kirch, Marcell Bakonyi, Julianne Borg, Karolína Plicková u.a.

Salzburger Landestheater

Tel. 0 662/87 15 12-222

Aufführungen bis 6. Juni



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-01-12 16:16:17
Letzte Änderung am 2010-01-12 16:16:00

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