• vom 07.01.2010, 16:46 Uhr

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Das Museum Moderner Kunst Kärnten zeigt zeitgenössische Fotografien mit österreichischem Fokus

Von Leuchtkäse und Faltdenkmälern




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Gute Nachrichten aus Klagenfurt: Eine künstlerische Melange überzeugt, nämlich die von Silvie Aigner kuratierte Schau "Zeitgenössische Fotografie, Neue Positionen aus Österreich" im Museum Moderner Kunst Kärnten (MMKK). Gemischt sind hier nicht nur die letzten zwei Generationen arrivierter und junger Fotokünstler, sondern mutig ästhetische Kategorien. Die Themengruppen beweisen, dass die digitale Fotografie, trotz brüchigem Wirklichkeitssinn, eine Vitalisierung der anderen künstlerischen Medien bewirkt.

Die Fotografien von Gernot Fischer-Kondratovitchs - wie etwa in "Rumba Planchao" (2009) - zeigen deutlich seine Auseinandersetzung mit internationalen Machtstrukturen. Foto: MMKK/Bäckerstraße 4

Die Fotografien von Gernot Fischer-Kondratovitchs - wie etwa in "Rumba Planchao" (2009) - zeigen deutlich seine Auseinandersetzung mit internationalen Machtstrukturen. Foto: MMKK/Bäckerstraße 4 Die Fotografien von Gernot Fischer-Kondratovitchs - wie etwa in "Rumba Planchao" (2009) - zeigen deutlich seine Auseinandersetzung mit internationalen Machtstrukturen. Foto: MMKK/Bäckerstraße 4

Die belebende Auswahl zeigt vielfältige Medienüberschreitung, Techniken und Inhalte. Als Auftakt ist ein sozialkritisches Konzept mit Panoramafotos von Lukas Maximilian Hüller in Zusammenarbeit mit einem Township-College in Johannesburg entstanden. Sklaverei und Bootsflucht, in theatralischen Posen mit Rotationskamera festgehalten, werden zum Appell für mehr Menschenrechte. Das Ende der Schau ist kulinarisch: Theres Cassini entfaltet alle Sinne mittels fotografierter Esskunst. Durch Leuchtkästen kann man "Schmecken sehen", Personen sind in "Schleck Shots" festgehalten, und das Geschirr wird mit leuchtend farbigen Molekularspeisen als "Left Overs" präsentiert.


Hybride Fotokunst und Ganzkörperporträts

Dazwischen wird Urbanität, von Hubert Blanz, Clemens Fürtler und Michael Inmann untersucht. Täuschung ist dabei das Thema von Martin Bilinovac, die Kulisse bei Arnold Pöschl. Fürtlers "Bildmaschine 2" fungiert als Hybrid zwischen Archiskulptur und Fotografie. Blanz legt sich per geotechnischem Computerprogramm vogelperspektivisch ein Raumornament von Flug-Rollfeldern zu Füßen. Inmann täuscht mittels Unschärfe und Schwarzweiß-Ästhetik einen Playmobil-Charakter von Hochhäusern vor. Bausünden verlieren unter Musterwolkenstimmung ihren Schrecken.

Gisela Erlachers geflieste und karge Anhaltelager-Zellen lassen sachlich frieren. Das Migrationsthema erweitert auch die nächtlichen Inszenierungen von Borjana Ventzislavova oder Katharina Gruzeis Serie "Working in Los Angeles" um einen sozialkritischen Aspekt. Einen anderen - nämlich den befremdlichen Umgang mit der Natur - haben sich Jutta Strohmaier, Markus Guschelbauer und Gerd Hasler vorgenommen; Fragmente mutieren zu abstrakt-malerischen Tafeln.

Wärme und Ironie kann bei Robert F. Hammerstiel eingefangen werden - sein Video-Kaminfeuer und der verfremdete Weihnachtsbaum "Über allen Wipfeln ist Ruh" verweigern uns das Kuschelbedürfnis gänzlich.

Das Ausleuchten performativer Körperpositionen ist nach wie vor relevant: Ob es sich um subtile Zwischentöne zu Tanz und Musik bei Nina Rike Springer, Johannes Puch und Anja Manfredi handelt oder um das Lesen in den Machtstrukturen des Alltags (Gernot Fischer-Kondratovitch oder Birgit Graschopf). Damit die Erinnerung an das bewegte Original nicht nur als "geronnener Moment" (Vilém Flusser) Foto wird, faltet Caroline Heider ihre Ganzkörperporträts zu hybriden Denkmälern.

Ausstellung

Zeitgenössische Fotografie - Neue Positionen aus Österreich

Silvie Aigner (Kuratorin)

Museum Moderner Kunst Kärnten

www.mmkk.at

bis 31. Jänner



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-01-07 16:46:12
Letzte Änderung am 2010-01-07 16:46:00

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