• vom 31.07.2009, 17:10 Uhr

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Update: 31.07.2009, 18:08 Uhr

823 Todesopfer in fünf Jahrzehnten




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  • ETA: Aus Kampf für die Freiheit der Basken wurde Terror.
  • IRA als Vorbild.
  • Madrid. (gba) 50 Jahre ETA, das heißt 50 Jahre Mord, Blutvergießen, Zerstörung. Und es hieß 821 Tote, bis zum 29. Juli 2009. Am 30. Juli schlug die baskische Terrorgruppe wieder zu, fügte ihrer Bilanz mit der Ermordung von zwei Beamten der Guardia Civil auf Mallorca zwei weitere Namen hinzu. Am 50. Jahrestag ihrer Gründung, dem 31. Juli, weist die Todesliste der ETA 823 Namen auf.

Öffentliche Bekenntnisse (so wie hier am 15. Mai 2003 via TV) sind bei der ETA eher unüblich. Foto: epa

Öffentliche Bekenntnisse (so wie hier am 15. Mai 2003 via TV) sind bei der ETA eher unüblich. Foto: epa Öffentliche Bekenntnisse (so wie hier am 15. Mai 2003 via TV) sind bei der ETA eher unüblich. Foto: epa

Der 31. Juli ist für baskische Nationalisten und Separatisten nicht irgendein Tag. Denn am 31. Juli 1895 hat Sabino Arana Goiri die baskische Nationalpartei gegründet, Partido Nacionalista Vasco (PNV), die es heute noch gibt. Sie hatte bis zu den baskischen Regionalwahlen im Frühjahr seit der Demokratisierung Spaniens nach Francos Tod regiert. Jetzt regiert die auch in Madrid amtierende sozialistische Partei (PSOE).

Arana gilt als Begründer der baskischen Nationalidee, des Traums vom eigenen Nationalstaat. Unter dem Franco-Regime war daran nicht zu denken. Junge Studenten, meist von der Jesuitenuniversität in Bilbao, gründeten deshalb im Sommer 1959 die ETA. Euskadi Ta Askatasuna heißen die drei Buchstaben - Baskenland und Freiheit. Die ETA-Gründung fand natürlich am 31. Juli statt, wollte man doch ein Gegengewicht zur PNV, die sich aus Sicht der jungen Nationalisten zu sehr mit der Franco-Diktatur arrangiert hatte.


Helden der Linken

Schon bald stand das Kürzel "ETA" allerdings nicht für Freiheit, sondern für Terror. Anfangs galten, vor allem im Ausland, die Aktionen der ETA noch als Kampf gegen die Unterdrückung der Basken durch die Franco-Diktatur. Sie selber gab vor, sich am Freiheitskampf der irischen IRA zu orientieren. Ihr Vokabular entsprach dem der europäischen linken Szene, die ihren Aufstand gegen das alte Machtgefüge in den Unruhen von 1968 manifestierte. Zumindest in Europas linkem Spektrum brachte ihr das Sympathien und den Ruf von "Freiheitskämpfern", nicht von Terroristen.

Die ETA mordete zum ersten Mal am 28. Juni 1960. Bei einem Anschlag im Bahnhof von San Sebastian starb ein Kind. Weltweit Aufsehen erregte die Separatistengruppe im Dezember 1973, als sie den spanischen Premier Luis Carrero Blanco ermordete. Er war als Nachfolger des kranken Diktators Franco vorgesehen gewesen.

Nach dem Tod Francos 1975 winkte der ETA eine Amnestie für ihre Taten. Und es wurde ein politischer Weg neben der baskischen Nationalpartei PNV geöffnet. Die ETA versuchte das eine, ohne das andere zu lassen. Zunächst wurde 1978 die Partei Herri Batasuna im Baskenland gegründet. Mit der Gründung von Batasuna (Einheit) 2001 verschwand sie. Batasuna war von Anfang an als politischer Arm der "militärischen" ETA konzipiert. Sie wurde im März 2003 verboten. Sowohl die ETA selber als auch Batasuna stehen auf der Liste terroristischer Vereinigungen der Europäischen Union.

Gespräche scheiterten

Versuche des seit April 2004 amtierenden Ministerpräsidenten José Luis Rodriguez Zapatero, in Verhandlungen mit der ETA den Terror zu beenden und eine politische Lösung für den Baskenkonflikt zu finden, schlugen fehl. Während eines sogenannten Waffenstillstands sprengte die ETA ein Parkhaus am Flughafen Madrid, zwei Menschen kamen ums Leben. Zapatero kehrte zur Politik der intensiven polizeilichen Verfolgung der Terrorgruppe zurück, in enger Zusammenarbeit mit der französischen Polizei. Dies brachte zwar im Vorjahr und heuer zahlreiche Festnahmen von führenden ETA-Terroristen. Die ETA ist aber weiterhin stark genug, um zu morden.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2009-07-31 17:10:00
Letzte Änderung am 2009-07-31 18:08:00

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