• vom 23.07.2009, 17:04 Uhr

Archiv

Update: 23.07.2009, 17:05 Uhr

"Das Ende eines großen Abenteuers"




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Der Letzte der Tour musste aufgeben.
  • Heroischer Kampf von Van Hummel.
  • Annecy. (sir) Kenny van Hummel war der erste Fahrer, der die 3459,5 Kilometer der diesjährigen Tour de France in Angriff nahm. Als Letzter wollte er sie beenden. Doch ein Sturz auf der 17. Etappe bei einer der vielen Abfahrten auf regennasser Straße brachte den Niederländer um sein großes Ziel, Paris zu erreichen.

Kenny van Hummel wollte sich als Letzter nach Paris kämpfen, auf der 17. Etappe musste er aufgeben. Foto: ap

Kenny van Hummel wollte sich als Letzter nach Paris kämpfen, auf der 17. Etappe musste er aufgeben. Foto: ap Kenny van Hummel wollte sich als Letzter nach Paris kämpfen, auf der 17. Etappe musste er aufgeben. Foto: ap

Van Hummel fährt für das niederländische Team Skil-Shimano. Er ist ein Sprinter, kein schlechter, er hat schon einige Rennen gewonnen, wenn auch eher kleinere. Die erste Woche der Tour war mit ihren Sprintankünften die Zeit des Holländers, der einige gute Platzierungen erreichte, jedoch nie wirklich ganz vorne landen konnte. Zu stark waren Spezialisten wie Mark Cavendish oder Thor Hushovd. Aber Paris, die Champs-Elysees, den Triumphbogen, das wollte Kenny van Hummel unbedingt erleben.


Schon in den Pyrenäen quälte sich Van Hummel mit einigen anderen Profis über die Pässe. "Ich bin eben ein Sprinter, und Fahrer wie ich haben Probleme in den Bergen. In den Pyrenäen hatte ich noch ein paar andere Fahrer an meiner Seite, aber die sind mittlerweile schon alle nach Hause gefahren."

Van Hummel blieb im Rennen und leistete in den Alpen wahre Husarenstücke. Hunderte Kilometer fuhr er alleine die Berge hinauf, das Feld hatte ihn schon früh abgehängt.

"Vielleicht kostet es mich zu viel Energie, ständig allein im Wind zu fahren, aber es ist besser für mich, als total einzugehen und dann eliminiert zu werden", erklärte der Niederländer dazu.

Immer wieder schaffte es Van Hummel innerhalb des Zeitlimits, als Letzter ins Ziel zu kommen. Sein Gegner war der gefürchtete Besenwagen, der die hoffnungslos abgehängten Fahrer aufsammelt und deren Traum von Paris beendet. Van Hummel entging diesem Schicksal.

Die Fans an der Straße feuern den Träger der roten Laterne genauso begeistert an wie den Ersten, wie Alberto Contador, vielleicht sogar ein bisschen mehr. Seine bravourösen Solofahrten sorgten für Schlagzeilen, vor allem in den Niederlanden. Der Vorletzte, der Weißrusse Yauheni Hutarovich, hatte etwa 45 Minuten Vorsprung auf Van Hummel.

Sturz auf der Abfahrt

Auf der 17. Etappe, die über fünf Pässe führte, wurde der aufopferungsvoll kämpfende Niederländer schon nach vier Kilometern abgehängt. Wieder begann sein Kampf gegen den Besenwagen, der Kampf gegen das Zeitlimit. Auf der Abfahrt des zweiten Gipfels rutschte er auf nasser Straße aus und zog sich eine klaffende Wunde am Knie zu.

Er stiegt dennoch wieder aufs Rad, fuhr weiter. Doch weit kam er nicht. "Als wir sein offenes Knie gesehen haben, wussten wir, dass das Rennen vorbei ist", erzählte sein Teamchef Rudi Kemma. Es war nicht der Besenwagen, der ihn aufnahm, es war der Krankenwagen.

Die ganzen Qualen des vergangenen Tage waren umsonst. Van Hummel wird Paris nicht erreichen, nicht auf dem Rad. Auch der Teamchef war untröstlich: "Es war das Ende eines großen Abenteuers".



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2009-07-23 17:04:43
Letzte Änderung am 2009-07-23 17:05:00

Werbung




Werbung