• vom 17.07.2009, 16:29 Uhr

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Update: 15.05.2018, 12:39 Uhr

Geschichte der Raumfahrt

Der Wettlauf zum Mond




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Von Richard E. Schneider

  • Vor vierzig Jahren gelang amerikanischen Austronauten die erste Mondlandung. Der Deutsche Konrad Dannenberg war einer der Väter dieses Erfolgs.

Mitglieder des Repräsentantenhauses besuchen das Marshall Space Flight Center. Von links: Die deutschen Techniker Dieter Grau und Konrad Dannenberg, die Kongressabgeordneten James G. Fulton (R, Pennsylvania) und Joe Waggoner (D, Louisiana) sowie Wernher von Braun (1962). 
- © NASA/MSFC - Public Domain

Mitglieder des Repräsentantenhauses besuchen das Marshall Space Flight Center. Von links: Die deutschen Techniker Dieter Grau und Konrad Dannenberg, die Kongressabgeordneten James G. Fulton (R, Pennsylvania) und Joe Waggoner (D, Louisiana) sowie Wernher von Braun (1962).

© NASA/MSFC - Public Domain

Am 21. Juli 1969 landeten erstmals Menschen auf dem Mond. Diese Reise zum Erdtrabanten mit der Saturn V war auch ein immenser, weltweit gefeierter Prestige-Erfolg der USA gegenüber der Sowjetunion. Zu dem spektakulären Erfolg des von 1959 bis 1969 durchgeführten Apollo-Programms trugen entscheidend deutsch-amerikanische Raketenforscher um Wernher von Braun und Konrad Dannenberg bei.

Wie Wernher von Braun im Jahr 1912 geboren, gehörte Dannenberg zu den Raketenforschern der ersten Stunde. Mit 16 Jahren baute er in der Nähe von Hannover seine erste Rakete zur Postbeförderung, später studierte er Maschinenbau an der TU Hannover.

Die "Vergeltungswaffe"

Von 1940 an arbeitete Dannenberg in Peenemünde an der Entwicklung der weltweit ersten ballistischen Rakete mit. Sie wurde zunächst A4, später dann propagandistisch "V-2" (Vergeltungswaffe) genannt. Ab 1944 wurden mit der V-2 vor allem die Städte London und Antwerpen beschossen.

Mit 126 weiteren "Peenemündern" wurde Konrad Dannenberg 1945 im Rahmen der "Operation Paperclip" (siehe Kasten) in die USA gebracht. Bis 1948 zündete er dort in Wernher von Brauns Team auf dem 100 km langen Truppenübungsplatz "White Sands" in New Mexico ungefähr 300-mal zu Testzwecken die V-2. "Redstone", die erste eigens für die US-Army konstruierte Rakete des Von-Braun-Teams, war schon 1951 startklar, die vierstufige "Jupiter-C" folgte 1955. Aufgrund ihrer NS-Vergangenheit blieben die "Peenemünder" Zivilangestellte der Army und wurden im politischen Leben der USA kaum beachtet. Jahrelang arbeiteten sie in Fort Bliss, Texas, hinter Stacheldraht in einer Kaserne. Ihre Familien lebten in einem US-Camp in der Nähe der bayrischen Stadt Landshut.

Als am 4. Oktober 1957 über New York der sowjetische Satellit Sputnik piepte, war die US Navy nicht imstande, diese Herausforderung mit einem eigenen Raketenstart zu beantworten. Ihre beiden "Vanguard"-Raketen explodierten beim Start.

Information

Das Kriegsministerium der USA holte 1945 die wichtigsten deutschen Experten für Raketenbau in die Vereinigten Staaten. Man wollte vom Know-how dieser Forscher profitieren und verhindern, dass sie zur Sowjetunion überlaufen.

Während des Krieges waren die deutschen Techniker in den USA noch als Kriegsverbrecher bezeichnet worden. Nun wurde ihren Lebensläufen zusätzliches Material angefügt, das geeignet sein sollte, sie zu entlasten. Die Büroklammern (paperclips ), mit denen diese neuen Dokumente an die alten geheftet wurden, gaben der Aktion ihren Codenamen. In den folgenden Jahren waren die aus NS-Deutschland geholten Experten maßgeblich an der Entwicklung der NASA beteiligt.

Wernher von Braun versprach dem amerikanischen Verteidigungsminister McElroy, "binnen sechs Wochen" einen Satelliten in den Orbit zu befördern. Tatsächlich brachte eine Jupiter-C am 1. Februar 1958 die Sonde "Explorer-1" ins All. Doch die Sowjets schickten am 12. April 1961 Juri Gagarin in den Weltraum: Er war der erste Mensch, der die Erde umkreiste. In Washington versprach darauf der neue US-Präsident John F. Kennedy in seiner "Mond-Rede" vor dem Congress, "noch vor Ende des Jahrzehnts" den ersten Amerikaner auf den Mond und zurück zu bringen. Finanzielle Mittel für die deutsch-amerikanischen Raketenbauer waren nun ausreichend vorhanden. Für das Mond-Programm konstruierte das Von-Braun-Team 15 Saturn-Raketen. Es waren die Modelle S-1, S-IB und S-V. Die zweistufige Saturn-IB war eine besonders kostengünstige Version. Sie wurde auf den zahlreichen unbemannten und bemannten Sub- und Orbital-Testflügen eingesetzt.

Die Etappen der Geschichte des Mondflugs waren: 1. suborbital, 2. orbital, 3. ohne Raumkapsel, 4. mit Apollo-Raumschiff, 5. Raumflug mit Apollo-Kapsel und Astronauten, 6. Mondflug mit Mondumkreisung, 7. Mondflug mit Landung und Rückkehr zur Erde. Keine einzige der im MSFC (Marshall Space & Flight Center) in Huntsville entwickelten Saturn-Raketen hatte einen Fehlstart. Dennoch verbrannten drei Astronauten am 27. Januar 1967 bei einem Test auf der Startrampe in Cape Kennedy, weil ihre Raumkapsel Feuer fing. Im Jahr zuvor hatten die Sowjets bereits ihre erste unbemannte Landung auf dem Mond bewerkstelligt.

Die erfolgreiche Mission

Wernher von Braun drückte nun aufs Tempo, strich nach den erfolgreichen unbemannten Testflügen der Saturn V im November 1967 weitere Testflüge mit der Saturn-IB. Deren Herstellung bei Chrysler in Detroit kontrollierte Konrad Dannenberg. Die dreistufige Saturn V war damals mit 110,6 Metern Höhe, 2934,8 Tonnen Startgewicht, 133 Tonnen Nutzlast und 3424 Tonnen Startschub die weltweit stärkste Rakete. Mit ihr flogen am 16. Juli 1969 drei US-Astronauten von Cape Kennedy an Bord von Apollo 11 zum Mond. Buzz Aldrin und Neil Armstrong landeten am 20. Juli an Bord der Mondlandefähre Lunar Module.

Neil Armstrong auf dem Mond.

Neil Armstrong auf dem Mond.© NASA Neil Armstrong auf dem Mond.© NASA

Nach der Rückkehr der drei Astronauten zur Erde trugen die Bürger Huntsvilles Wernher von Braun im Triumphzug auf ihren Schultern durch die Straßen. Die russische Großrakete N-1 war bei einem Test explodiert, worauf die Sowjets ihr bemanntes Mondlandungs-Programm stoppten.

Mit Saturn V absolvierte die NASA bis 1972 sechs Mondmissionen, wobei Apollo-13 beinahe verunglückte. Es folgten noch mehrere Skylab-Flüge sowie 1975 ein amerikanisch-sowjetisches Andockmanöver im Weltall.

Wernher von Braun starb am 16. Juni 1977 an Krebs, Konrad Dannenberg wurde am 20. Februar 2009, in Huntsville zu Grabe getragen.

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Richard E. Schneider lebt als freier Wissenschaftsjournalist in Tübingen / Deutschland.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2009-07-17 16:29:00
Letzte Änderung am 2018-05-15 12:39:22


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