• vom 11.07.2008, 17:11 Uhr

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Update: 11.07.2008, 17:13 Uhr

Justizministerium: Es gibt aufgrund einer Novelle lediglich mehr Anzeigen

Schlagen Kinder öfter zu?




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  • Kinderkriminalität angeblich gestiegen.
  • Schulen: Fekter für Videoüberwachung.
  • Wien Die Kinderkriminalität in Österreich ist im Vergleich zu 2007 laut Statistik enorm gestiegen: Während die Zahl der Delikte um 5,9 Prozent zurückgegangen ist, wuchs jene bei Straftaten von Zehn- bis 14-Jährigen um mehr als 30 Prozent. Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) zeigte sich besorgt und kündigte Maßnahmen an. Überdies bedauerte sie das Verbot von Videoüberwachung in Schulen. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) hatte betont, es obliege der nächsten Regierung, neue Regelungen zu finden.



Unterdessen hieß es aus dem Justizministerium, der Anstieg der Kinderkriminalität ist auf die neue Strafprozessordnung zurückzuführen, die seit heuer in Kraft ist. Seitdem gilt nämlich die Verpflichtung zur Anzeigenerstattung bei Straftaten Unmündiger.


Eltern ziehen sich zurück

Waren laut Statistik von Jänner bis Juni 2007 noch 2607 Straftaten von Zehn- bis 14-Jährigen registriert worden, so stieg diese Zahl heuer auf 3397. Sie umfasst Sachbeschädigungen, Diebstähle, aber auch Raubkriminalität und Körperverletzungen. Fekter betonte, dass Modelle zur Bekämpfung, aber auch zur Prävention benötigt werden. "Wir müssen verhindern, dass kriminelle Karrieren überhaupt entstehen."

Der Grund für die aktuelle Entwicklung: Der vermehrte Rückzug der Eltern aus der Erziehung sowie die verfrühte Einsetzung der Pubertät, meint Entwicklungspsychologin Brigitte Rollett. Kinder müssen das Gefühl haben, dass sie immer nach Hause kommen können. "Wenn Tochter oder Sohn etwas angestellt haben, sollte das Verhalten besprochen, nicht aber die Person selbst infrage gestellt werden", so Rollett.

Die Zunahme von strafbaren Handlungen von Unmündigen habe auch in den Schulen zugenommen. Der Ruf einiger Direktoren nach Videoüberwachung wurde unlängst von der Datenschutzkommission abgeschmettert. Fekter: "Ich bedaure es sehr, dass das nicht genehmigt worden ist." Schmied bekräftigte, dass die Entscheidung der Kommission geprüft werde.

"Neue Regelung schuld"

BZÖ-Justizsprecher Gernot Darmann sprach sich gegen eine Videoüberwachung aus: "Wegen der geringen Anzahl schwarzer Schafe darf man nicht der gesamten Jugend einen solchen Stempel aufdrücken." FPÖ-Jugendsprecher Manfred Haimbuchner meinte: "Zur Bekämpfung der Jugendkriminalität ist neben Maßnahmen zur besseren Integration und Ausbildung auch hartes Durchgreifen unerlässlich."

Die Gesamtkriminalität ist in Österreich um 5,9 Prozent gesunken. Alle Hauptstädte mit Ausnahme St. Pöltens verzeichneten rückläufige Zahlen. Überdies hob Fekter hervor, dass seit der Öffnung der Schengengrenzen zu Ungarn, der Slowakei, Slowenien und Tschechien die Kriminalität in den meisten Grenzbezirken stark gesunken, nur in wenigen gestiegen ist.



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Dokument erstellt am 2008-07-11 17:11:57
Letzte Änderung am 2008-07-11 17:13:00

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