• vom 13.05.2008, 16:51 Uhr

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Dem ORF fehlen heute die Gaisbauers




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Von Freddie Kräftner

  • Vor 25 Jahren regierte (noch) Bruno Kreisky, die Einstellung der "Arbeiterzeitung" war (noch) nicht absehbar und die Programmzeitschrift "HörZu" erschien (noch) mit einer eigenen Österreich-Ausgabe.



Deren begehrte Auszeichnung "Goldene Kamera" ging 1983 an den gebürtigen Linzer Frank Elstner, mit dem "Goldenen Mikrofon" wurde die "Zick Zack"-Redaktion ausgezeichnet.


Die war eine bunt zusammengewürfelte Truppe und die

jüngste Redaktion des Landes. Viele gingen noch zur Schule (und haben sich auf ORF-Papier dann und wann Entschuldigungen geschrieben) - und sie durften Radio machen. Frisch und frech, manchmal sicher auch ein bisserl spätpubertär.

Warum ein kurzer Rückblick vielleicht heute von Belang ist? Weil der ORF ein gravierendes Nachwuchsproblem hat. Es fehlen schwer solche Talente-Werkstätten wie "Zick Zack", die eine von mehreren war. Dafür regiert das Diktat der Assessment Centers. Dass bei dieser Methode kreative Rohdiamanten leicht übersehen werden, dämmert nur den wenigsten. "Die meisten von uns hätten da keine Chance gehabt", erinnert sich einer aus der "Zick Zack"-Truppe, der im ORF Karriere gemacht hat und jetzt selbst bei der Nachwuchssuche oft der Verzweiflung nahe ist.

Die Jungen von einst haben sich dieser Tage getroffen. Einer war leider verhindert: Hubert Gaisbauer. Der allseits geschätzte frühere Leiter der Hörfunk-Abteilung Jugend, Gesellschaft, Familie (und spätere Religionschef) war der große Ermöglicher. Er hat es sicher nicht leicht gehabt - und er hat es sich nicht leicht gemacht. Kollegen, deren erster Chef er war, verdanken ihm viel. Leute wie er fehlen dem ORF heute sehr.

25 Jahre sind vor allem in der Medienbranche eine lange Zeit. Eine Sendung wie "Zick Zack" wäre heute wohl ein vollkommener Anachronismus. Der Geist von einst könnte dem stets immer mehr verbeamteten ORF aber sicher nicht schaden.

Mit Assessment Centers allein, so professionell sie auch organisiert sein mögen, wird man nicht weit kommen. Typen wie einen Tom Walek trifft man dort nicht. Der ist als "Mikromann" mit unterhaltsamen Meinungsumfragen der Star bei den jungen Ö3-Hörern. Er jobbte als Kellner und ist dabei dem früheren Ö3-Chef

Bogdan Roscic mit seinem Wortwitz aufgefallen. Walek hätte auch gut in die "Zick Zack"-Redaktion gepasst.

medienboerse@wienerzeitung.at



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2008-05-13 16:51:19
Letzte Änderung am 2008-05-13 16:51:00

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