• vom 15.02.2008, 18:33 Uhr

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Leere Stauseen und die Angst vor der Trockenheit




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Von WZ-Korrespondent Günther Bading

  • Größte Dürre in Spanien seit Jahren.
  • Hoffnung auf Frühjahrsregen.
  • Madrid. Die "Huerta" von Murcia ist berühmt. Von hier kommt Gemüse bester Qualität auf die Tische von Madrid bis Valencia, Malaga bis Pamplona. Die Huerta ist Spaniens Gemüsegarten Nummer eins. Dennoch hat Murcia ein Problem.

Das Barrios de Luna Reservoir im Norden Spaniens ist mittlerweile völlig ausgetrocknet. Foto: reuters

Das Barrios de Luna Reservoir im Norden Spaniens ist mittlerweile völlig ausgetrocknet. Foto: reuters Das Barrios de Luna Reservoir im Norden Spaniens ist mittlerweile völlig ausgetrocknet. Foto: reuters

"Agua para todos" steht auf Transparenten, die von Balkonen und Fassaden hängen. Die ganze Stadt scheint damit zugehängt. "Agua para todos" heißt: Wasser für alle. Daran herrscht Mangel. Der Slogan richtet sich gegen die Verteilungspolitik der Zentralregierung, die den chronisch trockenen Südosten verdorren lässt, wie man in Murcia meint. In diesem Jahr ist der Wassermangel besonders schlimm. Denn sogar Spaniens größter Fluss meldet Niedrigwasser. Im Einzugsbereich des Ebro hat es im Winter zu wenig geregnet. Schon fürchtet Barcelona um sein Trinkwasser, werden aberwitzige Pläne geschmiedet wie etwa Tankschiffstransporte von den Entsalzungsanlagen im andalusischen Almería nach Katalonien. Schon im März soll in Barcelona das Trinkwasser rationiert werden, wenn es bis dahin nicht regnet.




Gegen Entsalzung
"Offen gesagt ist die Lage sehr schlecht", erklärt José Luis Alonso, Chef des Ebro-Wasserverbandes. In jeweils hundert Jahren sei jedes fünfzehnte ein Trockenjahr. "Aber dieses ist eines der schlechtesten fünf-zehnten Jahre, die wir je erlebt haben."

Die Stauseen im Einzugsbereich des Ebro sind Anfang Februar nur zu 46,4 Prozent gefüllt. Rund um Barcelona weisen die Staubecken nur einen Stand von 22,6 Prozent ihrer Kapazität aus. Weiter im Süden am Jucar-Fluss, der Valencia versorgt, sind es 21,7 Prozent, und der Segura, von dem Murcia sein Wasser bezieht, meldet in der zweiten Februarwoche ganze 18,2 Prozent.

Es gibt die Möglichkeit, vom Tajo bei Madrid Wasser zum Segura-Becken umzuleiten. Aber auch die Tajo-Stauseen sind nach dem trockenen Winter nur zu 44,3 Prozent gefüllt.

Umweltministerin Cristina Narbona setzt seit vier Jahren auf Meerwasserentsalzung. Den nationalen Wasserplan der Vorgängerregierung, der einen Ausgleich zwischen wasserreichen Gebieten und von Versteppung bedrohten Regionen vorsah, hat sie gestoppt. Etwa die Zuleitung von Ebro-Wasser zum Jucar und Segura weiter im Süden und vom Tajo zum Guadalquivir in Andalusien.

Selbst der von ihr einberufene Umweltrat hält wenig von der Entsalzung. Noch sei diese Methode zu teuer, auch stelle der anfallende Salzschlamm ein Umweltproblem dar. In Torrevieja an der südöstlichen Mittelmeerküste sind am Wochenende Tausende auf die Straße gegangen, um gegen den Bau der größten Entsalzungsanlage Europas zu protestieren. "Wir wollen nicht am Toten Meer leben", hieß das Motto der Demonstration. Die Rückleitung der bei der Wassergewinnung anfallenden Salzschlämme würde Fischerei und den boomenden Tourismus gefährden, monierten die Einwohner. Und das, obwohl sie eigentlich mit Salz leben. Denn nahe der Stadt arbeiten Spaniens größte Meersalz-Salinen.

Bringen die Frühjahrsregen im März keine überdurchschnittliche Nieder-schlagsmenge, droht Spanien im fünften Jahr hintereinander eine "sequía", eine Dürre. Und in Murcia werden die Transparente "Agua para todos" wohl ein weiteres Jahr aushängen.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2008-02-15 18:33:45
Letzte Änderung am 2008-02-15 18:33:00

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