• vom 21.12.2007, 12:52 Uhr

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Update: 21.12.2007, 13:51 Uhr

Film

Ein Engel am Weihnachtstag




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Von Peter Jungwirth

  • Capras Meisterwerk "Ist das Leben nicht schön?"
  • Zum "inspirierendsten Film aller Zeiten" gewählt: Frank Capras Meisterwerk "Ist das Leben nicht schön?", der am 24. Dezember spielt.

Frank Capras berühmter Filmklassiker "Ist das Leben nicht schön" hatte vor genau 61 Jahren, zu Weihnachten 1946, Premiere. Die Handlung des Films spielt (zumindest teilweise) an einem 24. Dezember, daher wird er meist zur Weihnachtszeit gespielt. Die erste Hälfte des Films wird aus himmlischer Perspektive erzählt, in der zweiten greift ein Engel in die irdische Handlung ein und sorgt für die finale Pointe. Man könnte diesen zugleich komischen und berührenden Film für ein Weihnachtsmärchen halten. Oder für Kitsch aus Hollywood. Für viele Filmschaffende und Kritiker ist dieser Film jedoch, jenseits aller Genregrenzen, ein zeitloses Meisterwerk.


Sowohl der Hauptdarsteller, James Stewart, als auch der Regisseur und Produzent, Frank Capra, hielten "Ist das Leben nicht schön" ("Its A Wonderful Life" im Original) für den besten Film, den sie je gemacht haben. Capra, Sohn sizilianischer Einwanderer, hatte seine Laufbahn in den 20er Jahren mit B-Pictures begonnen und war in den 30er Jahren zu einem der erfolgreichsten Regisseure Hollywoods aufgestiegen. 1935 wurde seine Komödie "It happened one night" ("Es geschah in einer Nacht") mit fünf Oscars ausgezeichnet. Neben seiner Begabung für Humor zeichnete Capra sein Engagement für soziale Gerechtigkeit aus. In "Mr. Smith geht nach Washington" (1939) kämpft James Stewart als naiver politischer Newcomer aus der Provinz einen letztlich erfolgreichen Kampf gegen eine Allianz aus korrupten Politikern und Grundstücksspekulanten in Washington.



Story auf Ansichtskarten
"Es war nicht Amerika, an das wir geglaubt haben. Es waren die Filme von Frank Capra." So beschrieb John Cassavetes, ein Held des Independent-Kinos der 60er Jahre, die eminente Bedeutung Capras im Amerika der Vorkriegsjahre, als es noch kein Fernsehen gab und wöchentlich 90 Millionen Kinokarten verkauft wurden.

In den Kriegsjahren diente Capra in der Filmabteilung der Army, drehte Dokumentar- und Propagandafilme für die "Why We Fight"-Serie. Und er fand den Filmstoff, nach dem er "ein Leben lang gesucht hatte" : eine Kurzgeschichte mit dem Titel "Das größte Geschenk". Deren Autor, Philip Van Doren Stern, hatte sie, weil er keinen Verleger dafür fand, auf eigene Kosten auf Weihnachtskarten drucken lassen, die er 1943 an Freunde verschickte. Über Umwege erreichte eine davon Capra. "Ist das Leben nicht schön?", basierend auf der nur elf Seiten langen Story von Philip Van Doren Stern, wurde Capras Antwort auf die entsetzliche Verheerung der Welt durch den Krieg.

Der Film spielt in einer Klein-stadt namens Bedford Falls und beginnt am Weihnachtsabend 1945. Die Straßen sind menschenleer, es schneit. Die Atmosphäre ist bedrückend. Man hört nur Stimmen: Es sind Gebete für einen gewissen George Bailey. Die Kamera schwebt über der verschneiten Stadt und schwenkt zum Sternenhimmel empor. Es sieht so aus, als würden dort die Gebete erhört, denn zwei Galaxien beginnen plötzlich aufzuleuchten - und über George Bailey zu reden, der offenbar knapp davor ist, Selbstmord zu begehen. "Wir müssen jemand hinunterschicken, wer ist an der Reihe?" fragt eine himmlische Stimme. "Das ist das Problem" , antwortet die andere Stimme: Clarence ist an der Reihe und der "hat noch keine Flügel und den IQ eines Hasen". "Ja, aber er hat den Glauben eines kleinen Kindes. Lass ihn kommen, Josef."

Kaum ist das gesagt, schiebt sich, von Musik begleitet, ein kleiner, blinkender Stern ins Bild. Und es erklingt die erfreute Stimme von Clarence : "Sie haben mich gerufen, Sir?" Dann wird der Engel Clarence - von dem man nur erfährt, dass er gerade Mark Twains "Tom Sawyer" liest, aber nicht, wie er aussieht - für seinen Einsatz auf Erden vorbereitet: Man zeigt ihm im Himmel (und dem Kinopublikum auf Erden) eine Stunde lang das bisherige Leben von George Bailey.

Die Rückblende beginnt im Jahr 1919 und führt, im Stil eines Entwicklungsromans, bis ins Jahr 1945. 1919 ist George Bailey noch ein Bub. Schon in der ersten Szene rettet er seinem kleinen Bruder Harry, der ins eisige Wasser gestürzt ist, das Leben. George ist ambitioniert, er will die Welt bereisen, studieren, Wolkenkratzer und Flughäfen bauen, Millionär werden. Einstweilen aber sitzt er in der Kleinstadt Bedford Falls fest. Die Jahre vergehen, George bewährt sich, wird zur Stütze seiner Familie und seiner Gemeinde. Er ist intelligent und sein Tatendrang ungebrochen. Aber sein Altruismus und die Launen des Schicksals verhindern, dass er seine Träume verwirklichen kann: Als sein Vater unerwartet stirbt, tritt George seine Nachfolge als Leiter der "schäbigen, kleinen" Genossenschaftsbank an, die an ärmere Leute Baukredite vergibt. Statt ihm geht sein Bruder Harry aufs College; George bleibt für immer in Bedford Falls und in "bescheidenen Verhältnissen" stecken. Glücklich wird er trotzdem. Das Leben beschert ihm eine liebenswürdige Frau, Kinder und die Zuneigung seiner Freunde und Angestellten. Auch die Weltwirtschaftskrise und der Krieg gehen vorüber, ohne dass George oder seiner Familie großes Unglück widerfährt.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2007-12-21 12:52:33
Letzte Änderung am 2007-12-21 13:51:00


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