• vom 25.09.2007, 20:48 Uhr

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Update: 25.09.2007, 20:50 Uhr

Zweiertarock (Strohmandeln) mit 54 Karten

Wie sehen die idealen Regeln aus




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Von Wolfgang Mayr & Robert Sedlaczek

Das Tarock für 2 Spieler wird auch Strohmandeln oder Strohmanntarock genannt. Es handelt sich um ein anspruchsvolles Spiel, das viele Reize hat. Bemerkenswert ist, dass jeder Spieler eine Zeit lang einen Teil der eigenen Karten nicht kennt, er dagegen Einsicht in einen Teil des gegnerischen Blattes hat. Außerdem sind die Farbkarten in dieser Tarockvariante von großer Bedeutung. Strohmandeln wird heute nicht nur in Österreich, sondern auch in Ungarn gespielt. Dort heißt es Strohmandli. Hier beschreiben wir eine Variante mit 54 Karten. Sie wird vor allem von jenen Tarockierern gespielt, die ansonsten Königrufen oder Dreiertarock mit 54 Karten spielen.

Der Geber gibt in 3 Durchgängen je 5 Karten. Der Rest von 24 Karten wird in der Form verteilt, dass vor jedem Spieler 3 Pakete mit je 4 verdeckten Karten auf den Tisch gelegt werden. Diese 6 Pakete, auch Strohmänner genannt, werden ebenso wie die Handkarten wechselweise ausgeteilt, so dass die Vorhand das erste, der Geber das zweite usw. erhält.


Hat ein Spieler nach Austeilen der Karten und vor Aufdecken der Strohmänner kein Tarock im Handblatt, so kann er zusammenwerfen. In diesem Fall gibt derselbe Spieler neu.

Nach dem Geben ordnet und prüft jeder Spieler seine 15 Handkarten. Hierauf muss sich der Vorhandspieler, das ist jener Spieler, der nicht gegeben hat, erklären, ob er das Spiel aufnimmt, d. h. ein Spiel riskieren will. Er tut dies mit den Worten: "Ich nehme auf!" Passt der Vorhandspieler, indem er "Weiter!" oder "Ich passe!" sagt, so hat der Geber das Recht, das Spiel zu riskieren, also aufzunehmen. Passt auch dieser, so wird dennoch gespielt, aber nur ein einfaches Spiel.

Der Unterschied zwischen einem Aufgenommenen Spiel und einem Einfachen Spiel besteht darin, dass ersteres höher bewertet wird, und zwar nach folgenden Grundsätzen: Der Aufnehmer eines Spiels gewinnt 30 Cent, wenn er bei einer Zählung in Dreierlagen mindestens 35 Punkte und 2 Blatt erreicht; verliert er, werden seinem Gegner 40 Cent gutgeschrieben. Ein Einfaches Spiel bringt hingegen nur 20 Cent - egal ob es gewonnen oder verloren ist. Der Aufnehmer hat also die Chance, 10 Cent mehr als in einem Einfachen Spiel zu gewinnen, und er läuft gleichzeitig Gefahr, 20 Cent mehr als in einem Einfachen Spiel zu verlieren.

Ist geklärt worden, ob ein Aufgenommenes Spiel oder ein Einfaches Spiel abgewickelt wird, widmen sich die beiden Spieler ihren Strohmännerkarten. Jeweils 3 Pakete gehören zum Blatt eines Spielers. Dieser kann sie nach bestimmten Regeln ins Blatt aufnehmen bzw. spielen.

Jeder Spieler deckt die oberste Karte des ersten, d. h. links vor ihm liegenden Strohmannes auf. Ist diese Karte ein Tarock oder ein König, so nimmt er sie ins Blatt auf. Handelt es sich um eine Farbkarte, die niedriger als ein König ist, so bleibt diese Karte offen als Deckblatt am jeweiligen Paket liegen (= die Karte liegt offen auf). Jeder Spieler kann in einer Folge so lange Karten aufnehmen, bis er auf eine Farbkarte stößt, die niedriger als ein König ist. Genauso verfährt er mit den zwei anderen Paketen.

Es kann vorkommen, dass auf diese Weise ein oder zwei Pakete auf einmal in die Handkarten eines Spielers wandern, während der andere Spieler das Pech hat, dass sich unter seinen 3 obersten umgedrehten Karten kein einziger König oder kein einziges Tarock befindet, sodass er warten muss, bis er weitere Karte einsehen kann.

Der Gegenspieler hat das Recht, die Karten aus den Paketen zu sehen, ehe sie ins Blatt aufgenommen werden. Es empfiehlt sich daher, die Karten zunächst offen zur Seite zur legen, damit sie der Gegenspieler in Ruhe anschauen kann, und sie anschließend ins Blatt zu nehmen. Wenn auf allen Paketen eine Karte offen aufliegt, beginnt das eigentliche Spiel. Die Vorhand spielt aus.

Mit den offen auf den Strohmännern aufliegenden Karten kann der Spieler ebenso verfahren wie mit den Karten in seiner Hand. Er kann sie ausspielen, kann mit ihnen stechen oder sie zugeben. Kann ein Spieler die vom Gegner angespielte Farbe nicht aus der Hand bedienen, muss er dies von den Paketen aus tun, falls dort eine Karte der entsprechenden Farbe als Deckblatt offen auf einem Paket aufliegt. Kann ein Spieler die vom Gegner angespielte Farbe nicht von den Paketen bedienen, so muss er eine Karte aus der Hand spielen.

Wenn ein Spieler das Deckblatt durch Ausspielen, Stechen oder Zugeben benützt hat, muss er sofort nach Einziehen des betreffenden Stiches die darunter gelegene Karte des Paketes, also die neue oberste Karte, für den Gegner sichtbar aufdecken. Falls es sich um ein Tarock oder um einen König handelt, muss er diese Karte in sein Blatt aufnehmen. Mit den nächsten Karten verfährt er genauso wie oben beschrieben. Stößt er auf eine Farbkarte, die niedriger als ein König ist, lässt er sie als Deckblatt am Paket liegen. Die letzte Karte eines Pakets wird sofort aufgenommen, auch wenn es sich um eine Farbkarte handelt, die niedriger als ein König ist.

Es kann übrigens vorkommen, dass ein Spieler alle Karten aus der Hand verausgabt hat und dann nur mehr von den Strohmännern zu Ende spielt bzw. spielen muss. Routinierte Spieler werden jedoch danach trachten, dass sie in eine derartige Zwangslage gar nicht kommen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2007-09-25 20:48:27
Letzte Änderung am 2007-09-25 20:50:00

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