• vom 27.07.2007, 17:28 Uhr

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Die Tiroler Volksschauspiele in Telfs begeisterten mit "Wie es euch gefällt"

Shakespeare im Heustadl




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Von Martin Kolozs

  • Einen Tag nach Beginn des Richard-Wagner-Festivals in Bayreuth und einen Tag vor der Eröffnung der Salzburger Festspiele - am vergangenen Donnerstag also - feierten die 26. Tiroler Volksfestspiele in Telfs ihre erste Premiere in diesem Jahr mit "Wie es euch gefällt" von William Shakespeare. Auf die Frage, warum es gerade dieser Klassiker aus dem Jahr 1599 sein muss, antwortete Regisseur Markus Völlenklee mit "Warum nicht?", ist es seiner Meinung nach doch ein Stück über "die bezaubernste Liebesgeschichte der Weltliteratur".

Männer in Kleidern
Das kann man zwar nicht ganz gelten lassen, denkt man nur an "Romeo und Julia", aber im buchstäblichen Sinn mag es stimmen, denn die Inszenierung ist tatsächlich ein zauberhaftes Poetenstück, welches sich charmant an die Bilderwelt von "Ein Sommernachtstraum" anlehnt und in eine berückende Schräglage mit Stilelementen aus Filmen wie "Cha rlies Tante" oder "Birdcage - Ein Käfig voller Narren" verfällt. Denn was zur elisabethanischen Zeit als Theatergesetz galt, dass nämlich ausschließlich Männer auf der Bühne stehen dürfen, und sei es in Frauenrollen, wird heute zur Travestie und gibt in Zusammenarbeit mit Schauspielern, die ihre feminine Seite nicht verstecken, einen schrillen Theaterspaß.




Kongeniale Bühne
Vor allem ist dabei Johannes Gabl als Celia zu nennen, der den naiv verführerischen Augenaufschlag perfekt beherrscht. Aber auch die Darsteller in den "Hosenrollen" sind eine lobende Erwähnung wert, so zum Beispiel Gerhard Kasal als ewig trübsinniger Jacques oder Lukas Lobis in der Rolle des Hofnarren und Weiberhelden Touchstone. Das Bühnenbild von Karl-Heinz Steck macht sich unaufdringlich, in seiner Schlichtheit aber kongenial, die Architektur des unüblichen Aufführungsortes zu Nutze, eines zugigen Stadls, in dem man das Gefühl hat, man würde halb im Freien sitzen und einer fahrenden Theatergruppe zuschauen, die gerade im Ort Halt gemacht hat.

Nach dieser Spontaneität sehen auch die Kostüme von Andrea Kuprian aus, die eine wilde, ganz hervorragende Mischkulanz aus der Wühlkiste vorstellen. Als Letztes, aber seiner Performance nach als erstklassig, sei das Schlagorchester genannt. Die drei jungen - wahrscheinlich alle unter zwölf Jahre alten - Musiker (Stefan Heiss, Jakob Köhle, Pino Mussack) wären alleine schon Grund genug für einen Besuch, hätte die Darbietung nicht selbst die besten Noten verdient.

Wie es euch gefällt

von William Shakespeare

Markus Völlenklee (Regie)

Mit Johannes Gabl, Gerhard Kasal, Lukas Lobis

Volksschausspiele Telfs,

05262/62013

Wh.: 28. Juli, 1., 2. August

Beste Noten.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2007-07-27 17:28:20
Letzte Änderung am 2007-07-27 17:28:00

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