Kehrt die Krise zurück? Diese bange Frage stellt sich nicht mehr nur in den USA, wo sich der Ausblick schon vor Wochen überraschend eingetrübt hat. Mit den schwachen Daten für das zweite Quartal sind die Sorgen mitten in Europa angekommen.

Ausgerechnet die Konjunkturlokomotive Deutschland zog gegen Mitte des Jahres kaum noch. Frankreich und Spanien schwächeln - und andere Euro-Problemländer (Portugal, Griechenland) können von Wachstum nur träumen. Sind das Vorboten eines Rückfalls in die Rezession? Oder ist es eine Abschwächung, wie sie im Auf und Ab des Konjunkturzyklus immer wieder vorkommt?

Weder noch, sagen Experten. Unstrittig ist: Die Stimmung hat sich massiv ins Negative gedreht. Dafür waren viele Faktoren verantwortlich. Das Erdbeben und die Atomkatastrophe stürzten Japan ins Chaos und zersprengten wichtige Versorgungsketten der globalen Industrieproduktion. Dann ließ das lähmende Ringen um die höhere Schuldengrenze Zweifel an Handlungsfähigkeit und Reformwillen der US-Politik aufkommen - verstärkt durch die Debatte über die Kreditwürdigkeit der USA.

In Europa haben die Politiker den Dominoeffekt der Schuldenkrise nicht gestoppt. Dieser rollt unverändert durch die Euroländer und lässt eines nach dem anderen wie Pleitekandidaten aussehen. Die Sparzwänge tragen nicht gerade zu rosigen Wirtschaftsaussichten bei - und schließlich drückte auch noch der Börsenabsturz mächtig aufs Gemüt. Wer hätte sich in so einer Lage strahlendes Konjunkturwetter erwartet?

Schlagzeilen, die uns in die nächste Krise stürzen sehen, sind dennoch zu aufgeregt oder zumindest verfrüht. Werden die Werte einzelner Quartale isoliert verglichen, so ergibt sich stets ein Übertreibungseffekt. "Die Entwicklung ist nicht immer glatt, sondern bisweilen ruppig", sagt Wifo-Konjunkturexperte Marcus Scheiblecker. Vergleicht man hingegen das erste Halbjahr 2011 mit demselben Zeitraum des Vorjahres, so ergeben sich für Österreich 4 Prozent Plus. Arbeitsmarktlage, Unternehmensbilanzen - all das ergibt noch ein solides Bild.

Dem gängigen Schema folge der Konjunkturverlauf allerdings auch nicht, räumt Scheiblecker ein: Nach der Erholung aus der tiefen Krise fehle nun die Phase der Hochkonjunktur, ein längerer Boom. Üblicherweise sind die Exporte der erste Taktgeber, dann investieren die Unternehmen, und zu guter Letzt trägt der private Konsum das Wachstum voran. Diesmal droht die Phase nach einem nur kurzen Exporthoch zu versanden. Schuld sind primär Unsicherheit und schlechte Stimmung - höchste Zeit also für gute Nachrichten.