Groß sind Empörung und Aufregung in Österreich nach den neuesten Veröffentlichungen von Anonymous: Die Polizeigewerkschaft zeigt sich entrüstet, weil 25.000 Datensätze der Exekutive im Netz zu finden sind. Der Vater der Skifahrerin Nicole Hosp ist entsetzt, dass Krankenkassen-Daten seiner Tochter in die Hände der Gruppe gelangen konnten. Wohlgemerkt, die Krankenkassendaten wurden nicht veröffentlicht, sondern "nur" jene der Polizisten. Doch wie groß wäre die Aufregung, wenn es sich um die Daten von Hans Müller aus dem 21. Bezirk handelte? Wahrscheinlich weniger groß.

In einer digitalen Gesellschaft wie der unseren wächst der Datenberg über jeden Menschen immer stärker an. Spuren im Internet, Einträge in Facebook, Elektronisches Telefonbuch - lauter Daten.

Die spannenden Fragen angesichts der jüngsten Aktionen von Anonymous lauten nun: Wie sicher sind diese Daten? Wer darf Daten verknüpfen? Sind sich die Menschen eigentlich bewusst, welche Daten über sie verfügbar sind? Und sind Vorratsdatenspeicherung und Ähnliches wirklich sinnvoll, wenn man gar nicht garantieren kann, dass nur Befugte die Daten einsehen können?

Generell gilt, und so sieht es auch das Gesetz, dass "Hacken", also das unerlaubte Eindringen in IT-Systeme und Umgehen von Sicherheitsmaßnahmen, strafbar ist. Aber in den jüngsten Fällen kam Anonymous - zumindest nach eigener Erklärung - ohne Angriff an die Daten. Sie wurden der Gruppe zugespielt. Und wenn man es nüchtern betrachtet, ist das auch gut so.

Jahrelang diskutierten Experten über die Vorratsdatenspeicherung, warnten Datenschützer vor den möglichen Folgen. Offiziell wurde erklärt, dass es keine Sicherheitsbedenken geben müsse, obwohl jeder weiß, dass es keine 100-prozentige Sicherheit in der IT gibt. Dann wurde es still um das Thema. Es schien vergessen. Verdrängt und gut kaschiert. Im April 2012 muss die Vorratsdatenspeicherung umgesetzt werden. Man konnte bisher davon ausgehen, dass dies passieren würde, ohne viel Aufregung. Doch jetzt schaut die Welt auf einmal anders aus.

Digitale Daten sind flexibel, leicht auszutauschen, leicht zu vernetzen. Deshalb sollen sie ja auch gesammelt werden. Aber wer kann garantieren, dass sie nur jene sammeln, die damit Gutes wollen?

Nachdem Anonymous die Polizeidaten veröffentlicht hatte - übrigens Angaben, die in jedem Telefonbuch stehen können -, publizierte eine Zeitung auch einige Bilder von Betroffenen. Nun ist noch ein Mosaiksteinchen hinzugekommen, und es brauchte dafür nicht einmal die Hacker. Ein paar Klicks im Internet - und schon war das Facebook-Profil aufgerufen.

Der gläserne Mensch ist gelandet. Daten sind das wichtigste Gut der heutigen Informationsgesellschaft. Das weiß man. Aber wie man sie schützt, weiß niemand so recht.