Gratis ist heute kaum noch etwas. Umso größer ist die Freude, wenn irgendwo noch Leistungen unentgeltlich und freiwillig für die Allgemeinheit angeboten werden. Mit der Folge, dass diese Leistungen zusehends als selbstverständlich betrachtet werden. Das gilt für den ehrenamtlichen Mitarbeiter der Caritas, der täglich Essen an Obdachlose ausschenkt, genauso wie für den Feuerwehrmann oder den Rettungssanitäter, der seine Freizeit nicht im sonnigen Schrebergarten, sondern Wochenende für Wochenende im Einsatzfahrzeug zubringt.

Was nun das freiwillige Spenden von Blut betrifft, so besteht hier offensichtlich ein enger Zusammenhang. Wer gerne seine Freizeit, seine Kraft und Fähigkeiten in den Dienst der Allgemeinheit stellt, der opfert auch etwas noch Kostbareres - nämlich sein Blut. Denn einer Wurstsemmel wegen tut das niemand. Darüber hinaus setzt das Blutspenden voraus, dass sich der Spender zumindest gedanklich mit den Unbillen des Lebens, mit Krankheit, Unfall und Tod auseinandergesetzt hat und zum Schluss gekommen ist: Ich könnte ja auch einmal in die Lage kommen, Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen.

Gut möglich, dass der aktuelle Appell des Roten Kreuzes an die Bevölkerung, noch vor den Ferien fleißig Blut zu spenden, erst recht wieder nur von jenen wenigen gehört werden wird, die ohnehin schon seit Jahren und Jahrzehnten in die Blutspendezentren und zu den Blutspendebussen, die durch Österreich kurven, pilgern. Zum Spenden verdonnern kann man niemanden, außer vielleicht den einen oder anderen Bundesheerrekruten, sofern diesem ein freier Tag oder sonst eine Vergütung in Aussicht gestellt wird. Damit, potenziellen Spendern wie bei Plasmaspenden Geld für ihr Blut zu zahlen, will das Rote Kreuz gar nicht erst anfangen. Und das ist gut so. Erstens ist diese Regelung gesetzlich verankert und zweitens aufgrund der ohnehin hohen Kosten für Tests, Produktion, Lagerung und Transport nur schwer finanzierbar.

Was aber, drittens, viel schwerer wiegt, wäre das fatale Signal an jene, die bisher laut den Freiwilligen applaudiert, aber selbst keinen Beitrag geleistet haben. Denn während die Freiwilligen wie bisher ihr Blut herschenken, lehnen sich anderen zurück und erfreuen sich eines reinen Gewissens. Aus einer lästigen Verpflichtung würde damit eine bezahlte Dienstleistung - und ein Geschäft. Welche Konsequenzen das haben kann, hat der Handel mit Blutplasma bereits vorgezeigt.

An den aktuellen Engpässen beim Blut würde sich nichts ändern, vielmehr würde damit das Ideal der Freiwilligkeit untergraben. Und die kann man bekanntlich nicht kaufen.