"Nicht gerechtfertigt und nicht hilfreich." Mit diesen Worten kritisierte die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas Ziad al-Bandak, den Berater des Palästinenserpräsidenten Mahmoud Abbas - weil dieser Auschwitz besucht hatte. Hamas-Sprecher Fawzi Barhoum nannte den Holocaust in seinem Statement eine "angebliche Tragödie". In einem Kommentar in der Hamas-nahen Zeitung "Filastin" heißt es: "Was ist der Sinn dieses Besuchs, der bloß die Juden und ihre Verbrechen unterstützt? Weder die Juden noch wir glauben, dass Hitler sechs Millionen Juden umgebracht hat." Holocaust-Leugnung ist bei der Hamas nichts Neues: Bereits in der Vergangenheit haben Hamas-Sprecher den Holocaust als "Erfindung" bezeichnet. Die Hamas ist offenbar unbelehrbar in ihrem Judenhass.

Umso wichtiger der Besuch von Al-Bandak, liegt der letzte Besuch eines höherrangigen Palästinenservertreters doch schon einige Zeit zurück: 2007 trafen der palästinensische und der israelische Botschafter für Polen im Todeslager Auschwitz-Birkenau zusammen und besuchten gemeinsam die Gedenkstätte. Diese Besuche und die Anerkennung der Shoah- dieser größten Tragödie für das jüdische Volk - durch die Palästinenser sind ein Schritt Richtung Frieden in Nahost.

Denn wenn die Palästinenserführung signalisiert, dass sie - obwohl es eine Reihe von gravierenden Konflikten mit dem Staat Israel gibt - sehr wohl bereit ist, mit den jüdischen Nachbarn in Frieden zu leben, dann gibt es eine Basis für eine harmonische Koexistenz.

Al-Bandak hat das versucht: Er, der auf Einladung einer Stiftung, die sich für Toleranz einsetzt, in Auschwitz war, legte Blumen an der Todesmauer, an der polnische Widerstandskämpfer erschossen worden waren, nieder und zündete eine Kerze am Denkmal für die Opfer des Todeslagers an.

Solange die Hamas aber das größte Trauma des jüdischen Volkes nicht nur negiert, sondern über die Shoah höhnt, können auch die wohlmeinendsten Peaceniks in Israel nie Vertrauen zu den Palästinensern fassen.

Auschwitz ist ein Ort, den Palästinenser begreifen müssen, um ihre Nachbarn zu verstehen. Denn die Lehren, die die zionistische Bewegung aus der Shoah gezogen hat: Die Juden brauchen einen Staat, in dem sie in Sicherheit leben können. Dieser Staat muss stark und wehrhaft sein. Nie wieder dürfen Juden schutzlos einer Ideologie des Hasses ausgeliefert sein. Auschwitz-Birkenau ist auch jener Ort, wo die Geschichte des Nahen Ostens und die Geschichte von Österreich und Deutschland einander berühren: Die Kinder und (Ur-)Enkelkinder der Täter von damals haben eine besondere Verantwortung, dazu beizutragen, dass Israelis und Palästinenser zu einer Friedenslösung finden.