Ola Orekunrin. - © youtube
Ola Orekunrin. - © youtube

Ola Orekunrin war ein Wunderkind. Mit 21 Jahren schloss sie ihr Medizinstudium ab und wurde so eine der jüngsten Ärztinnen, die England jemals gesehen hat. Sie schrieb Fachbücher, machte ganz nebenbei den Pilotenschein für Helikopter, ging zur Stammzellenforschung nach Japan und spezialisierte sich zurück in London auf Unfallchirurgie. Sie träumte davon, Präsidentin der britischen Ärztevereinigung oder Ministerin für die konservative Partei zu werden. Doch die Krankheit ihrer leiblichen Schwester veränderte ihr Leben.

Aufgewachsen ist die Tochter nigerianischer Emigranten bei weißen Adoptiveltern. Sie hatte zwei englische und zwei indische Brüder. Die Familie kämpfte Tag und Tag um ihr Auskommen, tat jedoch alles, um ihren Kindern eine angemessene Bildung zukommen zu lassen. So landete Ola unter anderen auf einer katholischen Klosterschule.

2008 erreichte die 22-Jährige die Nachricht von ihrer leiblichen Mutter aus Nigeria, dass die sich die Gesundheit der anämischen kleinen Schwester graduell verschlechtere. Die lokalen Krankenhäuser waren nicht ausgerüstet, die Kleine zu behandeln, die nächste Flugambulanz war acht Stunden Flug entfernt. Die Schwester starb.

Ola Orekunrin verkaufte daraufhin ihre Wohnung und ihr Auto und machte sich auf in die nigerianische Hauptstadt Lagos. Dort gründete sie 2010 das erste Flugrettungs-Unternehmen Afrikas. Mit den "Flying Doctors", einem Team von 40 Mitarbeitern und 16 Fliegern, versorgt sie kritische Fälle in ganz Westafrika und versucht, tragische Schicksale, wie das ihrer Schwester, wo es nur geht zu verhindern. Doch bis dorthin war es ein langer Weg.

Frisch in Nigeria angekommen, interessierten sich die Behörden so gut wie gar nicht für ihre Pläne. Auch in der Privatwirtschaft, bei multinationalen Erdölfirmen, stieß sie auf wenig Resonanz: "Man hat mir zugehört, aber das war auch schon alles", sagte sie gegenüber der Zeitung "Le Monde". Zudem wurde sie auch noch ausgeraubt.

Doch der Zufall wollte es, dass eine betuchte Familie Orekunrins Hilfe benötigte, um ihren Sohn zu retten. Sie charterte einen Helikopter und rettete den Buben, dessen Mutter - wie sich später herausstellte - das Kind der Präsidentin einer der größten Banken des Landes war. Von da an war die Durchführung ihres Plans kein Problem mehr.

Ihre Idee und ihr Engagement gingen um die Welt und erregten schon bald die Aufmerksamkeit der internationalen Presse vom "Forbes Magazine" bis zu "Le Monde". Neben ihrer Arbeit hält sie nun Vorträge an so prestigeträchtigen Institutionen wie der amerikanische Eliteuniversität MIT - und dient so als nachahmenswertes Vorbild.