Die Einführung des Biosprits E10 im Oktober wird derzeit sehr emotional diskutiert - und es werden Vorwürfe laut, dass schon wieder etwas vom Zaun gebrochen wird, weil die entsprechende Info-Kampagne schon fertig ist. Wie bei der Rettungsgasse.

Mais und Co. gehören auf den Teller und nicht in den Tank, skandieren Umweltorganisationen, sie verweisen auf steigende Nahrungsmittelpreise und eine Milliarde hungernder Menschen auf der Welt. Immerhin hat der Anbau von Mais für Biosprit in Nordamerika dazu geführt, dass sich der Preis für das Grundnahrungsmittel in Mexiko binnen kurzer Zeit mehr als verdoppelt hat. In Brasilien wiederum findet der Zuckerrohranbau zwar nicht auf abgeholztem Regenwaldboden statt - aber genau dorthin verdrängt er die Sojafelder.

Auf der anderen Seite wird entgegengehalten, dass Österreich das Ganze nichts angeht, weil wir in unserem Agrana-Ethanolwerk in Pischelsdorf ohnehin nur unseren eigenen Biosprit produzieren - den wir momentan exportieren, anstatt ihn selbst zu nutzen.

Vielmehr wird für die Einführung des Biosprits massiv geworben - obwohl das Projekt bereits in Deutschland sensationell gefloppt ist. Aber nicht etwa aus Sorge um die hungernden Menschen: Die deutschen Autofahrer hatten Angst um ihre Motoren - 10 Prozent Ethanol-Anteil im Benzin könnten Schäden anrichten. Niemand hat den billigeren Treibstoff getankt. Tatsächlich würde das Ethanol den Motor aber sogar "durchputzen" und ihn von unliebsamen Rückständen befreien, meinen jetzt die heimischen Autofahrerklubs. Gefährdet seien nur einzelne Gummiteile, die ausgetauscht werden könnten.

Befürworter heben vor allem auch die CO2-Einsparungen hervor. Gemeint ist damit aber nicht der unmittelbare Schadstoff-Ausstoß von Kraftfahrzeugen: Motoren, die von Biosprit angetrieben werden, schleudern genauso viele Abgase in die Luft wie herkömmliche. Die Einsparungen betreffen vielmehr die bei der Produktion und beim Transport des Treibstoffs entstehenden Emissionen. Und die sind im Vergleich zu Benzin und Diesel tatsächlich relevant.

Die Frage ist nur, ob es sinnvoll ist, an den Symptomen zu schrauben, wenn die Ursache nicht behandelt wird. Denn eigentlich gibt es in Österreich ein klares Bekenntnis zum Ausbau des öffentlichen Verkehrs: Der Individualverkehr soll reduziert und die E-Mobilität vorangetrieben werden - gleichzeitig werden aber in den kommenden Jahren 7Milliarden Euro in den Autobahnausbau investiert. Irgendwie passt das nicht zusammen.