Egal ob Fiskalklippe oder Sparprogramm über dem US-Kongress braut sich etwas zusammen. - © reu
Egal ob Fiskalklippe oder Sparprogramm über dem US-Kongress braut sich etwas zusammen. - © reu

Washington/Wien. Die Verhandlungen über Haushalt und Schuldenobergrenze in den USA, beziehungsweise die Art mit ihnen umzugehen, hätte durchaus etwas Unterhaltsames - wären damit nicht so ernste Konsequenzen wie Rezession und Arbeitslosigkeit verbunden. Seit Jahren geht es dabei zu wie in der Geisterbahn: Eine mulmige Fahrt ins Ungewisse mit zu erwartenden Horrorvisionen, deren Erscheinen von hysterischem Geschrei begleitet wird. Nach alsbaldigem Verschwinden des Grusels ist nur eines gewiss: der nächste kommt bestimmt. Alles wartet darauf, dass der Spuk endlich ein Ende hat.

Als die Republikaner 2010 im Abgeordnetenhaus das Ruder übernahmen, einigten sie sich mit Präsident Barack Obama darauf, unter Ex-Präsident George W. Bush eingeführte Steuererleichterungen bis 2013 zu verlängern. 2011 folgte der erste große Schrecken für die Märkte. Obama und seine Demokraten forderten eine Erhöhung der Schuldenobergrenze, da die Regierung ansonsten zahlungsunfähig sei. Die Republikaner blockierten. Ein überparteiliches Komitee arbeitete an einer Einigung - vergeblich. In letzter Sekunde einigte man sich darauf, das Problem mit einem Kompromiss zu verschieben: Die Schuldenobergrenze wurde angehoben und im Gegenzug dafür ein Sparprogramm in Höhe von 1,2 Billionen Dollar über die nächsten 10 Jahre beschlossen. Die Idee dahinter war es, ein Szenario zu schaffen, das so abschreckend wirkt, dass es bis 2013 auf jeden Fall zu einem Einvernehmen kommt. Der Streit hinterließ seine Spuren. Die Kreditwürdigkeit des Landes wurde von AAA auf AA+ herabgestuft.

Die große Zitterpartie


Im Herbst 2012 begann das große Zittern der Welt vor der sogenannten Fiskalklippe: Die Steuererleichterungen würden am 1. Jänner auslaufen und zugleich das große Sparprogramm in Kraft treten, so es nicht zu einer Einigung käme. Die Märkte begaben sich auf Talfahrt. Die Situation wurde immer dramatischer bis schließlich in buchstäblich letzter Sekunde - zu Neujahr - eine Einigung verkündet wurde. Bushs Steuererleichterungen wurden verlängert. Ausnahme: Reiche Amerikaner. Sie wurden im Gegenteil stärker zur Kasse gebeten. "Fiskalklippe umschifft", hieß es, die Märkte freuten sich, doch die automatischen Ausgabenkürzungen wurden lediglich um zwei Monate verschoben. So tauchte das Schreckgespenst am Freitag erneut auf.