Die Bilder gleichen einander: Wieder einmal kommen afrikanische Flüchtlinge nur in Leichensäcken in Europa an. Die Geschehnisse am Donnerstag sind nicht die erste Tragödie vor Lampedusa, und es wird wohl leider auch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass Flüchtlinge bei der riskanten Überfahrt sterben.

Denn: Solange Armut, Krieg und Verfolgung in einzelnen afrikanischen Staaten herrschen, werden die Menschen weiter versuchen, nach Europa zu gelangen. So kamen viele Flüchtlinge auf dem nun gekenterten Boot etwa aus Somalia, wo seit Jahrzehnten ein grausamer Bürgerkrieg den Menschen jede Zukunftsperspektive raubt.

Ausgeliefert sind diese Flüchtlinge oft skrupellosen Schleppern, die sie auf seeuntaugliche Boote setzen. Aber es muss sich auch Europa fragen lassen, ob es die richtige Antwort auf die Flüchtlingsbewegungen aus Afrika gefunden hat.

Denn Europa schottet sich immer mehr ab, macht seine Grenzen dicht. Freilich hat Europa das Recht, seine Einwanderungspolitik selbst zu bestimmen und Asyl nur jenen zu gewähren, die tatsächlich Anspruch darauf haben. Nur: Die derzeitige Politik läuft darauf hinaus, dass man versucht, es Flüchtlingen möglichst schwer zu machen, überhaupt nach Europa zu gelangen und hier ihren Asylantrag zu stellen. Die Tragödie vor Lampedusa hat aber erneut bewiesen, wie wirkungslos diese Politik ist und welch fatale Konsequenzen sie mit sich bringt. Denn für wen eine Fahrt auf einem Holzboot nach Lampedusa die letzte Perspektive ist, der wird sie unternehmen - so gefährlich sie auch sein mag. Abgeschottete Grenzen retten keine Menschenleben.