Wer noch Geld hat, der hebt es ab: Straßenszene im Zentrum von Athen. - © epa/Kolesidis
Wer noch Geld hat, der hebt es ab: Straßenszene im Zentrum von Athen. - © epa/Kolesidis

Athen/Brüssel. Die Zeit drängt und immer noch haben sich Athen und die Eurogruppe nicht auf eine Verhandlungsgrundlage einigen können. Gestern hätte ein Brief einlangen sollen, in dem Athen um die Fortführung des Kreditprogramms ansucht. Allein, das Schreiben kam nicht. Der Ärger über die Griechen, die tief in die Trickkiste greifen und Haken schlagen wie ein gejagter Hase, nimmt unter den EU-Granden zu.

Doch steht Athen mit dem Rücken zur Wand. Die EZB hat am Mittwoch Bedenken geäußert, ob die griechischen Geldhäuser überhaupt weitere Nothilfen bekommen sollen. Nachdem die Griechen ihre Ersparnisse massenhaft abziehen, steigt die Gefahr eines Banken-Kollapses. Steuer-Ausfälle und anstehende Rückzahlungen machen Athen ebenfalls zu schaffen. Am 28. Februar läuft das Hilfsprogramm aus, schon im März könnte Hellas bankrott sein.

Sparvorschriften


Die Eurogruppe macht es der Regierung unter Alexis Tsipras jedenfalls nicht leicht: Mit einer schriftlich vorgelegten Bitte um mehr Geld gibt man sich hier nicht zufrieden. Es soll vielmehr ausgeschlossen werden, dass Athen seine Ausgaben wieder erhöht - genau das hat Syriza ihren Wählern aber versprochen. Nach den Vorstellungen der Gläubiger sollen angefangene Reformen in Griechenland - darunter auch Privatisierungen - nur in Absprache mit den Geldgebern rückgängig gemacht werden. Wenn Sparmaßnahmen wegfallen, sollen diese durch andere ersetzt werden müssen. Die Eurogruppe will die Garantie, dass Griechenland seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommt. Das aktuelle Hilfsprogramm inklusive der Auflagen muss zum Abschluss gebracht werden, Griechenland weiter mit der Troika, die jetzt "die Institutionen" heißt, zusammenarbeiten.

Diese Forderungen sind für Syriza ein Schlag ins Gesicht, sie kommen einer Knebelung gleich. Die Eurogruppe hat nach eigenem Bekunden zwar kein Problem damit, dass die neue griechische Regierung ihr Geld anders ausgeben will als die alte. Aus der Sicht Athens macht das keinen Unterschied - hier geht es allein um mehr Geld. Das zählt. Würde Tsipras auf die Bedingungen der Eurogruppe eingehen - seine Tage an der Spitze wären vorbei.

Den Griechen hilft einzig die Angst, die man in der EU vor einem "Grexit", also einem Austritt der Hellenen aus der Eurozone, hat. Der Euro würde den "Grexit" zwar überleben, die Kosten wären aber hoch - allein Deutschland würde Milliarden verlieren. Der Imageschaden für das Projekt Euro, mit allen direkten und indirekten Folgen, würde wohl noch viel schwerer wiegen. Doch sitzt Athen am kürzeren Hebel. Die griechische Regierung kann den Rest der Eurozone nicht erpressen. Käme es bis Ende Februar zu keiner Lösung, dann würde das ramponierte Land in eine noch tiefere Krise stürzen. Griechenland ist zwar arm - die Zahl derer, die jetzt in der Kälte auf der Straße sitzen, ist hoch - hat aber immer noch einiges zu verlieren.