Wien. Immerhin: Im Abgang hat Werner Faymann sein Image Lügen gestraft. Ein Schicksal, wie es die Partei - und zuvorderst er selbst - seinem Vorgänger zumutete, wollte er sich ersparen. Damals, im Frühsommer 2008, drängte er Alfred Gusenbauer aus der Macht, überließ diesem aber noch pro forma den Kanzler für einige Monate. Zu sagen hatte Gusenbauer nichts mehr, er war von seiner Partei zur Unsichtbarkeit im Amt verurteilt. Faymann zog es vor, sofort zu gehen.

Ein paar Monate hätte sich Faymann womöglich noch halten können, nicht länger. Sein Kredit bei Partei und Wählern war spätestens mit dem Debakel des SPÖ-Kandidaten bei der Bundespräsidentenwahl aufgebraucht. Trotzdem trauten Unterstützer und Gegner Faymann zu, dem Schicksal noch einmal von der Schaufel zu springen. "Rechnen Sie weiter mit mir", erklärte Faymann am 3. Mai. Und bis zum letzten Augenblick hielten dem Kanzler seine Verbündeten in den Boulevardmedien die Treue. Doch die Bilder vom Aufstand gegen den Vorsitzenden beim Hochamt der Sozialdemokratie, dem 1.-Mai-Aufmarsch am Wiener Rathausplatz, waren zu übermächtig.

Medienkanzler


Die Verbundenheit der Kleinformate ließ sich der Kanzler mit Steuergeld viel kosten, und der Boulevard dankte es ihm mit wohlwollender bis hymnischer Berichterstattung. Es war dies eine der Achsen, die Faymann vom Wiener Rathaus, wo er als Wohnbaustadtrat von 1994 bis 2006 fungierte, zuerst in das Infrastrukturministerium und schließlich ins Amt des Parteivorsitzenden und Bundeskanzlers trug.

Eine andere waren persönliche Loyalitäten. Mit Kanzleramtsminister Josef Ostermayer verband Faymann eine jahrzehntelange politische Symbiose, die in der Wiener Mietervereinigung in den späten 1980ern begann. Für Ostermayer war dabei die längste Zeit die Rolle des Vertrauten reserviert, der im Hintergrund die Fäden zog - als Kabinettschef, als Staatssekretär und schließlich als Minister. Noch am Samstag orakelte Ostermayer von einer Kompromisslösung, die dem Kanzler ein Überleben sichern sollte. Doris Bures, heute Nationalratspräsidentin, zählt auch zu diesem zuletzt geschrumpften Zirkel. Sie stammt - wie Faymann - aus der SPÖ-Liesing.

Jugendfunktionär, Gemeinderat, Mietervereinigung, Stadtrat, Minister, Kanzler: Faymanns berufliche Karriere bewegte sich ausschließlich im geschlossenen System der roten Politik. Sogar seinen Zivildienst absolvierte er in einer SPÖ-Vorfeldorganisation. Und seine zweite Frau, Martina Ludwig-Faymann, ist Gemeinderätin für die Wiener SPÖ.