"Sie spielen unser Lied" - Gabriel Barylli (links im Bild) inszenierte eine Beziehungs-Soap. - © Copyright: stockerau.gv.at
"Sie spielen unser Lied" - Gabriel Barylli (links im Bild) inszenierte eine Beziehungs-Soap. - © Copyright: stockerau.gv.at

Meist neigen Zahlscheine ja dazu, es ernst zu meinen. Nicht ganz so beim Open Air Festival Stockerau. Da versichert ein Begleitschreiben der Stadt, dass Premierengäste hier "selbstverständlich" kostenlos weilen. Generöse Gemüter aber können sich trotzdem austoben - auf dem beiliegenden Erlagschein. Wobei sogar die Befürchtung zerstreut wird, die eingehenden Millionen könnten Ampeln und ähnliche Ärgernisse finanzieren: Das Geld, heißt es, käme allein dem Festival zugute.

Zumindest die Optik wäre ja tatsächlich ein Zahlungsgrund. Genauer gesagt: der Kirchturm von St. Stephan. Vom Gerüst befreit, überragt der gelbweiße Barockbau (1722-1725) das Festivalgewusel wie ein friedlicher Riese. Ganze 88 Meter ragt diese Burg des Glaubens empor (laut Pfarre gar der höchste Kirchturm Niederösterreichs) - und hat doch Sinn fürs Fragile: Hier grüßt eine Figur des Heiligen Leopold, dort eine des Namenspatrons.

Weniger begrüßenswert: die Musicalpremiere von Intendant Alfons Haider. Wohl aber die vorletzte. 2013 will Stockerau zum (billigeren) Sprechtheater zurück - wofür Haider bekanntlich nicht mehr zur Verfügung steht. "Dafür stehe ich nicht mehr zur Verfügung", trotzt er nun auch im Programmheft. Direkt vor den üblichen Grußworten der Politiker.

Alfons Haider und Ines Hengl-Pirker. Foto:Ilsa lahofer
Alfons Haider und Ines Hengl-Pirker. Foto:Ilsa lahofer

Immerhin mehr Drama als auf der Bühne. "Sie spielen unser Lied" heißt das Zwei-Personen-Stück vom Broadway: eine Romantic Comedy, gegen die selbst dröge deutsche Genrebeiträge so anmuten, als wären sie von Rilke. Umso schlimmer: Dass Text ("Tanz für mich, Baby!") und Musik (an den abgekupferten Melodien erkennbar: ein Werk der späten 70er) in diesem "Lied" schon so etwas wie eine Achse des Blöden bilden. Und dass Haider, nach etlichen homosexuellen Rollen, plötzlich am andern Ufer agiert, macht das Mann-Frau-Rührstück kaum glaubwürdiger. Immerhin: Ines Hengl-Pirker beherrscht das Musicalfach souverän; das achtköpfige Tanzensemble rotiert schmissig bis athletisch. Für sie könnte es aufwärts gehen. Anderswo.

Musical
Sie spielen unser Lied
Gabriel Barylli (Regie)
Stockerau (02266/67689)
Wh.: 12. Juli bis 13. August