"Ich spiele hier wohl die Rolle des komischen Alten", fragt Argan, die Hauptperson in Molières "Der eingebildete Kranke" bei den Schloss-Spielen in Kobersdorf und hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Verfallen dem Wahn, krank zu sein, bildet er sich nicht nur die Liebe seiner zweiten Frau, die Heilkräfte seiner Ärzte, sondern auch seine Rolle als Familienoberhaupt ein. Seine Krankheiten - betroffen sind laut dreier Ärzte entweder Milz, Leber oder Lunge - sind so eingebildet wie seine Macht im Haus, die durch das kecke Zimmermädchen Toinette immer wieder auf den Kopf gestellt wird. Der Hypochonder wird von Fritz Hammel sicher auf der Bühne umgesetzt, er konzentriert sich auf das Wahnhafte, Neurotische.

Die Rolle der Toinette steht Petra Strasser gut zu Gesicht, den Zynismus des frechen Dienstmädchens trifft sie ausgezeichnet. Hammel und Strasser überzeugen als eingespieltes Team auf der Bühne. Die Rolle der Tochter Argans besetzt Lisa Sexl, und die "böse Stiefmutter" spielt Doris Hindinger. Christine Wipplingers flotte Inszenierung lebt vom spielfreudigen Ensemble.

Rätselhafte Musik


Die überspitzten, barocken Kostüme passen zur Bühne im Hof des Schlosses und bewirken eine brechende Ironie, ohne das Stück aus seiner Zeit herauszunehmen. Im krassen Gegensatz zur Kostümierung stehen die drei schlichten Bühnenbilder. Nur die musikalische Untermalung zwischendurch wirkt etwas rätselhaft.

"Wenn es Ihnen gefällt, erzählen Sie es weiter, wenn nicht, erzählen Sie es nur mir - ich geh dann zum Doktor", sagt Intendant Wolfgang Böck, der den Arzt Diaforius gibt, noch vor Beginn des Theaterstücks. Der Besuch beim Arzt bleibt ihm wohl erspart.

Theater

Der eingebildete Kranke
Christine Wipplinger (Regie)
Mit Fritz Hammel, Petra Strasser
Schloss-Spiele Kobersdorf
bis 31. Juli