Bei diesem feministisch interpretierten Götterkampf werden alle Rollen von Frauen verkörpert. Im Bild (v. l. n. r.) Júpiter (Eva Juárez), Minerva (Anna Freivogel), Hércules (Camilla de Falleiro).
Bei diesem feministisch interpretierten Götterkampf werden alle Rollen von Frauen verkörpert. Im Bild (v. l. n. r.) Júpiter (Eva Juárez), Minerva (Anna Freivogel), Hércules (Camilla de Falleiro).

Selten gehörte Orchesterfarben und vertrackte Rhythmen sind bei der heurigen Opernproduktion der Donaufestwochen im Strudengau zu erleben. Kastagnetten, spanische Harfe und Gitarre waren Teil des Originalklang-Ensembles, das eine iberische Rarität zum Leben erweckt hat: Sebastián Duróns "La Guerra de los Gigantes". Die Oper entstand wahrscheinlich für eine herrschaftliche Hochzeit des Jahres 1702, nun erklang sie als österreichische Erstaufführung im Renaissance-Arkadenhof der Greinburg.


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Website Donaufestwochen Strudengau
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Geschrieben zur Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges (und diesen symbolisch spiegelnd) ist diese Oper - mit wenigen italienischen und französischen Anklängen - im spanischen Stil gehalten. Nicht Rezitativ und Arie bestimmen den Duktus, sondern Tonadas mit Refrain und Strophe.

Im Mittelpunkt steht der Kampf der Götter mit den Giganten und ihrem Anführer Palante. Handlung gibt es nur wenig, dafür eindringliche Melodien fundiert auf rhythmischer Finesse und Klangvielfalt, schöne Ensembles und ein herzzerreißendes Lamento.

Die vier Rollen werden von Sängerinnen interpretiert. Regisseurin Manuela Kloibmüller nutzt das für einen feministischen Interpretationsansatz: Aus Putzfetzen, Besen und Kübeln schaffen sich die Bühnenfiguren ihre Waffen und Helme. Die Kampfhandlungen bleiben ironisches Spiel. Die Personenführung ist überspitzt, kippt jedoch etwas ins Clowneske.

Charmanter Opernkosmos


Eva Juárez ist ein Júpiter mit engelsgleich sauberer Stimme, ihr zu lauschen ist eine Wonne. Camilla de Falleiro überzeugt als drahtiger Hércules mit makellos geführter Stimme, Anna Freivogel stattet ihre Minerva mit viel Wärme aus.

Die dramatischste Stimmfärbung des Ensembles hat Maria Weiss als Palante - ihr Espressivo droht an exponierten Stellen ins Nervöse zu kippen. Bei Dirigent Rogério Gonçalves (er leitet vom Cembalo aus und spielt zudem Trommeln und Kastagnetten) ist die Musik in allerbesten Händen. Sein Ensemble A Corte Musical wurde für diese Produktion von Kräften der Opernakademie Grein ergänzt. Eine Produktion mit viel Charme und Esprit, die einen selten zu erlebenden Opernkosmos zum Klingen bringt.

Das L’Orfeo Barockorchester von Festival-Intendantin Michi Gaigg, das seinen 15. Geburtstag heuer auch mit CD-Produktionen feiert, wird übrigens kommende Saison Mozarts "Betulia liberata" in Grein präsentieren.

Oper

La Guerra de los Gigantes
Von Sebastián Durón
Rogério Gonçalves (Dirigent)
Manuela Kloibmüller (Regie)
Mit: Eva Juárez, Maria Weiss u.a.
Donaufestwochen Strudengau
Schloss Greinburg, Grein
Wh.: 13., 14., 15. August
Tel.: 07268/26 857