"Ist doch klar, dass ich da bin, wir sind ja verabredet. Schließlich habe ich vor zweieinhalb Jahren hier Auf Wiedersehen gesagt." Mit diesen Worten eröffnet Dieter Hildebrandt sein Gastspiel in der Wiener Brennessel, deren Betreiber stolz darauf sind, dass es sich das mittlerweile 84-jährige Urgestein des deutschen Kabaretts nicht nehmen lässt, immer wieder einen Abstecher in diese relativ kleine Bühne nächst dem Wiener Rathaus zu machen.

Vor kleinem, aber feinem Publikum, da fühlt er sich am wohlsten, sagt Hildebrandt selbst. Und man spürt es auch, wenn er vorn am Tisch sitzt vor der überschaubaren Menge, die den Saal bis auf den allerletzten Platz gefüllt hat, und anhebt zu einer Sprech-Lesung über die deutsche Politik. "Eine österreichische scheint es ja gar nicht zu geben", stichelt er. Und lässt sodann verschmitzt und feinsinnig seinen Charme spielen, in den er Boshaftigkeiten verpackt, die man wahrscheinlich einem anderen Kabarettisten übel nehmen würde. Aber ein Dieter Hildebrandt darf die deutsche Regierung dermaßen herbeuteln, die Medien in Grund und Boden schimpfen, auch unzensiert über Altersgeilheit dozieren. Denn er beherrscht eine ganz große Kunst: die der stillen Wortgewalt. Anders lässt sich ein Phänomen wie Dieter Hildebrandt eigentlich nicht beschreiben.

Kabarett

Dieter Hildebrandt: Ich kann doch auch nichts dafür

Wh: 29. Oktober, Brennessel;
13., 14. November, Lach- und Schießgesellschaft (München)