Ein angenehm bebildertes Sängerfest mit prachtvoller Musik: Das ist die bukolische Tragödie "Daphne" von Richard Strauss an der Wiener Staatsoper; eine Wiederaufnahme der Inszenierung aus dem Jahre 2004, bei der man fast alle Partien neu besetzt hat.

Ein sensationelles Hausdebüt gab Meagan Miller als Daphne: Ihr warm timbrierter Sopran entfaltete sich mit voller Leuchtkraft, sicheren Höhen und makellosem Gleichmaß vom ausladenden Anfangsmonolog bis hin zum berührenden Schlussgesang. Der Peneios des exzellenten deutschen Bassisten Georg Zeppenfeld prunkte mit ruhiger Stimmführung und rollengerechter Schwärze ohne falsche Üppigkeit. Keinen Schwachpunkt gab es auch unter den Hirten und Mägden. Und nur der schlanke Mezzo von Elisabeth Kulman stand mit den abgrundtiefen Alttönen der Gaea vor einer geradezu unlösbaren Aufgabe.

Ein willkommenes Wiederhören in angestammten Partien erlebte man mit dem tenoralen Doppelgestirn Johan Botha und Michael Schade: Botha als Apollo mit dem sengenden Glanz und den unerschöpflichen Kraftreserven seines Materials; ihm ebenbürtig Schade als Leukippos mit ebenso auftrumpfender stimmlicher Präsenz.

Klangsattes Stimmengeflecht


Dazu entfaltete das Orchester unter der leidenschaftlich engagierten, präzisen Leitung von Simone Young alle nur erdenkliche Pracht. Zwischen der einsamen Oboe zu Beginn und den wuchtigen Blechfanfaren des Apollo-Themas machte die Dirigentin das klangsatte Stimmengeflecht in jedem Moment durchhörbar. Und hielt damit ein überzeugendes Plädoyer für eine meisterhaft gearbeitete Partitur, die den populären Opern des Komponisten durchaus an die Seite zu stellen ist. Die Begeisterung des Publikums entzündete sich - ungebremst durch Nicolas Joels ärgerliche, dem Text widersprechende Regie - an dem musikalischen Höhenflug dieses Abends.