Ein Zeitalter der Sehnsüchte: Wir sehnen uns nach gutem Essen, tiefem Schlaf und optimaler Gesundheit. Mit dem Begriff Sehnen verbindet man aber auch wichtige Teile des menschlichen Körpers: Sehnen übertragen Informationen an den Bewegungsapparat, sie vermitteln Spannung und Entspannung - ohne Sehnen wären wir unbeweglich.

Der Choreograph Paul Wenninger unternahm im Tanzquartier Wien den Versuch, das Potenzial des Begriffs "Sehnen" mit seinem Ensemble Kabinett ad Co. in der Uraufführung seines Stückes "Sehnen" auszuloten. Zwei Tänzerinnen und zwei Tänzer, darunter auch der Autor, versuchen auf leerer Bühne im Dialog mit der von einem Laptop erzeugten Klangwelt von Peter Jakober und Teziana Bertoncini, die Beweglichkeit des Körpers auch im Zu- und Miteinander auszudrücken. Zunächst subtile Bewegungen des Einzelnen: Arme und Beine scheinen wie vom Körper getrennt zu sein und führen ihr Eigenleben. Nach und nach entsteht ein Miteinander - ein vorsichtiges Annähern, das schließlich in einem Ineinander-Verflochten-Sein endet. Für den Zuseher waren diese choreographischen Prozesse nachvollziehbar, für den Zuhörer war der Abend äußerst mühselig durch den Wechsel von hohen und tiefen Frequenzen. Hätte nur die mitspielende Violinistin das Stück begleitet, hätte sich der Veranstalter das Verteilen von Ohrenstöpseln erspart.

Vielleicht wollte man aber ein Sehnen nach Harmonie und Stille beim Publikum auslösen. Mit dieser Sehnsucht gingen viele hinaus in den vorweihnachtlichen Alltag.