(vf) Weniger ist mehr. Dies sollte wohl die Devise des Mailänder Davide Bombana sein, der erstmalig für die Choreographie des Wiener Staatsballetts beim Neujahrskonzert verantwortlich zeichnete. Mit ihm ist die Zeit der pastellfarbigen Kostüme mit all ihren Rüscherln und Mascherln der vergangenen Jahre vorbei. Klassisch minimalistisch sind Christof Cremers Roben, auf Schmuck verzichtet er.

Wie auch Bombanas Choreographie: neoklassisch, zeitweilig zeitgenössisch, von traditionellen Walzerschritten scheint er nicht viel zu halten. Ein gewagter Versuch zum Neujahrskonzert, der letztlich scheitert: Erzwungen amüsant ist sein plattes "Blinde Kuh"-Spiel in Johann Strauß’ "Freut Euch des Lebens". In "Brennende Liebe" von Joseph Strauß - inspiriert von Klimts "Kuss" - wird es noch karger: Barfüßig huscht das Liebestanzpaar durch das Obere Belvedere, als wären die Mitglieder des Staatsballetts Bloßfüßige. Immerhin in Spitzenschuhen zeigt sich das Ensemble beim Donauwalzer elegant und klassisch - im Rahmen der Möglichkeiten. Geschmackvolle Kostüme, der prachtvolle Rahmen des Belvederes und die Elite-Tänzer lassen jedoch mehr erwarten und sollten nicht die Bühne für Experimentierfreudigkeit sein.