Kurz vor Mitternacht bei der Staatsopern-Bühnentür: ein erschöpfter, freundlicher Tenor in einer jauchzenden Menschentraube. Rolando Villazón lässt sich fotografieren, drücken, herzen.

Seine Fans durchlitten davor Donizettis "L’elisir d’amore". Mit dieser Oper hatte Villazón in Wien bereits Erfolge, erstmals 2005 und dann 2010 bei seinem zweiten Comeback nach Burnout und Stimmbandzystenoperation.

Der jetzige Auftritt stimmte traurig und fröhlich. Als wäre der Nemorino für ihn kreiert worden, machte Villazón noch aus der banalsten Textzeile eine gut sitzende Pointe. Seine Stimme klang berührend weich und in guten Momenten breit strömend. Doch er musste sie genau dosieren, damit sie nicht kippt: In der Mittellage wirkte sie manchmal unangekündigt belegt, Villazón räusperte sich mitten in einer Phrase, um sich aus der Malaise zu zaubern. Hohe Töne wurden zusehends kehliger, der Stimmsitz rutschte in den Rachen, wenn Villazón Sicherheit suchte. Und dann der Hit "Una furtiva lagrima": Villazón kämpfte, Übergänge bröckelten - eine Interpretation in der Möglichkeitsform. Ein Scheitern, das ins Herz der Musik vordrang: Im Verklingen, im Vergehen liegt ihre bittersüße Schönheit.

Freundlicher Applaus


Zuletzt freundlicher Jubel für Villazón und die Bühnenpartner: Sylvia Schwartz überzeugte als stählern-kernige Adina. Nicola Alaimo (Belcore) begann sein Hausdebüt nervös, steigerte sich polternd, aber beständig. Alfred Sramek schlawinerte als Dulcamara. Guillermo Garcia Calvos Dirigat war eher auf der knalligen Seite.