Es ist in der Tat unglaublich, was Choreograf Javier De Frutos, Sadler's Wells London und das als Pet Shop Boys bekannte Pop-Duo Neil Tennant und Chris Lowe mit ihrer auf einem Andersen-Märchen basierenden Produktion "The Most Incredible Thing" an weitgehender Uninspiriertheit abliefern. Im Festspielhaus St. Pölten war das Stück am Freitagabend als Österreich-Premiere zu sehen.

Wer die unglaublichste Sache auf die Beine stellt, erhält das halbe Königreich und die Prinzessin dazu. Der junge Erfinder Leo gewinnt mit einer wunderbaren Uhr, aber die bösen Kräfte ruhen nicht: Der Rivale Karl - Ivan Putrov tanzt ihn als martialischen Jungsowjettyp - zerstört das Kunstwerk und erobert dadurch scheinbar den Sieg, bis es gelingt, die Uhr wieder zusammenzubauen. Eine Geschichte, die auch gute Ausgangspunkte für ein Musical bieten würde.

De Frutos hingegen illustriert die Handlung allzu vordergründig mit dem Holzhammer, das Resultat wirkt abgeschmackt. Der in der Ankündigung vorgenommene Vergleich mit Tschaikowsky kann sich nur auf die großteils automatenhafte, nußknackerartige Figurenführung beziehen. Jedoch am meisten enttäuscht die trotz Orchesterpassagen synthetische, langweilige, völlig ausgepowert wirkende Musik. Da fehlt jeglicher Pep, jegliche mitreißende Ohrwurmqualität, da entsteht kein Zauber, keine Poesie, da quengelt und pumpert nur die die Elektronik mühsam dahin: eine flache Sache.

Spektakuläres Bühnenbild
Tony Award-Gewinnerin Katrina Lindsay zeichnet für das spektakuläre Bühnenbild verantwortlich, das mit Bildern des Filmemachers und BAFTA-Preisträger Tal Rosner unterstützt wird. Der optische Bereich ist denn auch der erfreulichste, hier findet das Auge viel Animiertes und zum Schauen Animierendes. "Zu große Schwere, zu tiefer Sinn" sei bei all dem nicht zu befürchten, stand im Programmheft zu lesen. Dass es aber derart seicht abgehen würde, war denn doch nicht zu erwarten.