"Ich bin zu alt für Märchen." Frei von Illusionen tritt die verarmte Komtesse Bertha Sophia Felicitas Gräfin Kinsky mit 30 Jahren eine Stelle als Gouvernante bei der Familie von Suttner an. Sie verliebt sich in Arthur, den Sohn des Hauses, heiratet ihn und wird weitere 30 Jahre später mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Vielleicht kein Märchen, aber ausgezeichneter Bühnenstoff.

Unter dem Titel "Ich will!" zeigt die Freie Bühne Wieden die Biografie der großen Bertha von Suttner. Michaela Ehrenstein, die Intendantin der Freien Bühne Wieden, goss das Leben der Ikone in dramatische Formen und übernahm selbst die Titelrolle. Das Dasein der Friedensnobelpreis-Trägerin ist in der Bühnenfassung paradoxerweise stark vom Kampf geprägt: das Ringen um den geliebten Mann und die Existenz, schließlich den Einsatz für den Weltfrieden.

Kühn und würdevoll


Ehrensteins Stück ist dicht, sie packt 45 Jahre in 22 Bilder. Trotz der Ernsthaftigkeit der Thematik gelingen Sissy Scheickl als Baronin von Suttner köstlich komische Momente. Ehrenstein spielt die Rolle der Bertha in jungen Jahren sehr kühn und schafft es dennoch, ihr im Alter die nötige Würde zu verleihen.

Das Schlussbild zeigt Bertha von Suttner in bekannter Pose: Als Grand Dame der Friedensbewegung im schwarzen Schleier, die zum Kampf um den Frieden kraftvoll sagen kann: Ich will!