Eine Frau in extremer Gefühlslage: Annette Schönmüller als Peter Maxwell Davies’ "Miss Donnithorne". - © Musikwerkstatt
Eine Frau in extremer Gefühlslage: Annette Schönmüller als Peter Maxwell Davies’ "Miss Donnithorne". - © Musikwerkstatt

Leidende Frauen scheinen auf die komponierende Zunft einen besonderen Reiz auszuüben: Von Monteverdis "Arianna" bis zu Schönbergs "Erwartung" sind Monologe verletzter Frauen ein Dauerbrenner im Musiktheater.

Zwei neuere Variationen über dieses Thema führt die Musikwerkstatt Wien nun an einem Abend in der Wiener Kammeroper zusammen: nämlich Peter Maxwell Davies’ Einakter "Miss Donnithorne’s Maggot" und Anne LeBarons erstmals in Österreich aufgeführte Mini-Oper "Sucktion".

Davies’ auf einer wahren Begebenheit basierendes Monodrama über eine Frau, die am Hochzeitstag von ihrem Bräutigam sitzengelassen wird, führt sogleich vor Augen, was unglückliche Frauenschicksale seit dem barocken Lamento für Komponisten so anziehend macht: Die Stimmungsschwankungen der unglücklichen Heldin kommen in einer zerrissenen vokalen Linie zum Ausdruck, deren Zuckungen an einen Seismographen im Tsunami-Gebiet denken lassen. Die Schilderung psychischer Extremzustände zwischen Wut, Trauer und wahnhaften Glückszuständen rechtfertigt nicht nur eine vokale Tour de Force, sondern fordert auch intensives Rollenspiel. Annette Schönmüller leistet beides auf beeindruckende Weise, wobei das minimalistische Bühnenbild von Thomas Kurt Mörschbacher die Aufmerksamkeit des Publikums ganz auf die Protagonistin lenkt. Ähnlich fokussierend wirkt die auf sechs Instrumente reduzierte Begleitung, sprechend realisiert vom Ensemble der Musikwerkstatt Wien.

Angelehnt an die Dramaturgie griechischer Dionysien folgt auch in der Kammeroper auf die Tragödie das Satyrspiel, obwohl der Gegenstand von "Sucktion" durchaus tragisch anmuten mag:
Auch hier sieht man eine Frau, die von ihrem Mann im Stich gelassen wurde - statt zu Hochzeitstags-Soirée zu erscheinen, schenkt ihr dieser bloß einen neuen Staubsauber. Die Welt der Hausfrau Irona (Anna-Maria Birnbauer) bekommt dadurch einen Riss.

Anne LeBaron übersetzt Ironas aus Daily Soaps und Hausarbeit bestehenden Alltag in eine Musiksprache, die sich in der Einbindung von Pop-Elementen und repetitiven elektronischen Mustern durchaus erfolgreich der Trash-Ästhetik des Fernsehens annähert. Wer sich nach Lektüre des Programmheftes die "cyber-erotische Transformation einer unterwürfigen Hausfrau in einen selbstzufriedenen kybernetischen Organismus" erwartet, wird von Benjamin Prins’ Inszenierung jedoch enttäuscht: Irona ist hier zu sehr Karikatur, um zum Subjekt weiblicher Emanzipation zu taugen. Mit weniger brachialen Mitteln wäre hier wohl mehr möglich gewesen.