Manche Szenen sind schier zum Augenreiben. Akrobatengleich, in einer Abfolge von Saltos, wirbeln die Künstler über die Bühne. Dann wieder schmettern sie stocksteif, buchstäblich ohne mit einer Wimper zu zucken, Gesangspartien ins Publikum; die weibliche Hauptdarstellerin (Xiao Qiao) wiederum nimmt es beim Kampf mit einem ganzen Männerheer auf: Sie bleibt nicht nur bei diesem Martial-Arts-Kunststück stets im Takt der Trommeln, trotz bodenlangem Kimono und schwerer Kopfbedeckung. Sie vermag dabei sogar noch zu lächeln - und, nur einen Gong später, mit ihrem Gesang fortzufahren.

Strenge Meisterschaft


Am Wochenende gastierte das chinesische Nationaltheater mit der Peking-Oper "Red Cliff" im Burgtheater. Das Stück basiert auf einer antiken Vorlage und handelt davon, wie ein überheblicher Kriegsherr durch List von einem im Grunde unterlegenen Heer besiegt wird. Doch die Handlung ist in der traditionssatten Peking-Oper, deren Anfänge weit über 700 Jahre zurückliegen und die auch Maos Kulturrevolution nicht vernichten konnte, ohnehin nicht das Wesentliche. Vielmehr geht es um kunstfertige Darbietungen, um das perfekte Zusammenwirken von Gesang und Gestik, Sprechen und Akrobatik. Um in diesen Disziplinen jene Meisterschaft zu erzielen, von der man sich beim Wien Gastspiel vollends überzeugen konnte, trainieren die Künstler von Kindesalter an.

Kostüme und Maske sind opulent. In Wien setzte es zudem - im Gegensatz zur Tradition - durchaus verzichtbare Rauchschwaden und Lichteffekte. Auch ohne Brimborium fasziniert die ungewohnte Leistungsschau.

Peking Oper

Red Cliff

Burgtheater