Alfons Haider spielt Musical in Stockerau: Seit 15 Jahren ist es Sommertheater-Realität. Dass diese Ära ab Herbst im Licht der Nostalgie schimmern wird - die Stadt sattelt auf Schauspiel mit neuem Intendanten um -, muss nicht der einzige Grund sein, diese Jahre zumindest denkwürdig zu nennen. Sollte das Außer-Gewöhnliche die Messlatte für Festspiele sein, erklomm der Entertainer Himmelshöhen. Was hat man da nur erschaut! Haider, der Weinviertel-Weltenlenker ("The King and I"); Haider, der schnurrbärtige Stockerau-Schani (im Eigenbau-Strauß-Rührstück). Und der Mount Everest dieses Eigensinns: die Weltpremiere (und bisher wohl exklusiv einzige) des Mineralwasser-Musicals "C’est la vie".

Tauchte Haider danach doch wieder ein in den Kosmos herkömmlicher Abendunterhaltung ("La Cage aux Folles" 2008/09), glückt nun ein fast irritationsloser Abschied. Mitzi Hamilton, schon in die Genese von "A Chorus Line" involviert, heute Dauerregisseurin des Blockbusters, hat diesen nun auch in deutscher Sprache auf den Karl-Renner-Platz gestellt: Auf nüchterner Freiluftbühne rittern die Tänzer des Ballettmusicals solid bis samtpfötig (Andrea Casati) und grazil (Sabrina Harper, trotz einsetzenden Regens) um acht Jobs. Im Gegensatz zur Verfilmung tun sie’s nur leider ohne den kaltsadistischen Thrill, für den Michael Douglas als Choreograf bürgte: Nun mimt - richtig - Haider den Casting-Gott und ist ein guter Onkel, der Grant nur durch einen konvulsiven Wust von extra-amerikanischem Vokabular ahnen lässt.

Goldfinale und Ritterschlag


Dank Regieroutine rollen die Gags dafür reibungslos ab - ebenso wie zumindest jene Hits, die Ines Hengl-Pirker, Nina Tatzber und Bettina Mönch singen. Und die Längen der zweiten Hälfte stellt das Goldzylinder-Finale sowieso in den Schatten. Zuletzt so etwas wie ein Ritterschlag für Haider: Bundespräsident Heinz Fischer herzt ihn auf applausumtoster Bühne.

Musical
A Chorus Line
Stockerau, Wh.: bis 18. August