Ausländischen Beobachtern ist die britische Haltung oft ein Rätsel. Sie verweisen auf die Nachteile, die der Industrie durch den hohen Pfund-Kurs entstehen: Ford droht deshalb seit längerem damit, ganz in die Euro-Zone abzuwandern. Doch dies schreckt die Regierung nicht ab. Denn die klassische Industrie ist auf der Insel nur noch von geringer Bedeutung. Großbritannien ist heute vor allem eine Dienstleistungsgesellschaft.

Als viel entscheidender für das Wohl der Wirtschaft gilt der richtige Zinssatz. Der britische Leitzins liegt bei 4% - gegenüber 2,75 Prozent in der Euro-Zone. Eine Senkung auf Euro-Niveau hätte nach vorherrschender Auffassung katastrophale Auswirkungen. Es geht dabei vor allem um ein ganz spezifisches Phänomen - die Hauspreise: Sie sind allein in den vergangenen zwölf Monaten um 25% gestiegen. Hauptgrund dafür sind die für britische Verhältnisse schon jetzt sehr niedrigen Zinsen, die den Hauskäufern billige Hypotheken garantieren.

Bei einer weiteren Zinssenkung und der damit einher gehenden noch stärkeren Verbilligung von Krediten wird ein massiver Anstieg der Hauspreise erwartet, so dass ein Platzen der Spekulationsblase unvermeidbar wäre. Ein solcher Crash hatte die britische Wirtschaft Anfang der 90-er Jahre in eine tiefe Rezession gestürzt.

Das leuchtende wirtschaftliche Vorbild für Großbritannien sind außerdem nicht die Euro-Länder, wo die Arbeitslosigkeit im Schnitt um 60% höher liegt als in Tony Blairs Königreich, sondern die USA. Dazu kommen, und das ist das Entscheidende, politische Vorbehalte.

Die ehemalige Premierministerin Margaret Thatcher hat heute zwar keine große Gefolgschaft mehr, aber beim Euro dürfte sie noch immer für die Mehrheit sprechen: "Wenn man seine eigene Währung abgibt, verliert man seine Unabhängigkeit. Wir beugen uns niemandem in Europa. Die Leute sind sehr stolz auf das Pfund. Euro? Nein, danke."